"Wichtige Zukunftskompetenzen für unsere Region"

Ein junge und ein Mädchen schauen lachend auf Reagenzgläser mit bunter Flüssigkeit
© Christoph Wehrer/Stiftung Haus der kleinen Forscher
Was passiert denn da? Die frühe Neugier von Kindern an naturwissenschaftlichen und technischen Phänomenen sollte aufgegriffen und verfolgt werden, findet Max-Martin Deinhard.

Kinder bedeuten die Zukunft - was für viele schnell dahin gesagt ist, meint Max-Martin Deinhard ernst. Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Ulm ist davon überzeugt, dass das Interesse von Kindern in MINT-Themen heute der Grundstein für die innovativen Fachkräfte von morgen ist. Warum eine Netzwerkpartnerschaft mit dem "Haus der kleinen Forscher" deshalb nicht nur jedes einzelne Kind, sondern auch eine ganze Region stärkt, erzählt er hier im Interview.

Herr Deinhard, die IHK Ulm hat ihr Engagement für die frühkindliche Bildung als "Haus der kleinen Forscher"-Netzwerkpartner in ihre Strategie 2030 aufgenommen. Wie kam es zu diesem Schritt?

Insbesondere im naturwissenschaftlich-technischen Bereich werden in Deutschland dringend Fachkräfte gesucht – auch in unserer wirtschaftlich starken Region. Qualifizierte Fachkräfte sind die entscheidende Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen, sie sichern die Produktivität sowie die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit unserer IHK-Region Ulm. Um die Gestaltungskraft der Unternehmen in innovativer Forschung und Entwicklung und damit unsere wirtschaftlichen Erfolgsaussichten aufrecht zu erhalten, benötigen wir naturwissenschaftliche und technische Fachkräfte.

Deshalb engagiert sich die IHK Ulm mit der Initiative "Faszination Naturwissenschaften und Technik" für die Förderung der MINT-Bildung. Die MINT-Bildung in der IHK-Region Ulm soll einen größeren Stellenwert erhalten – entlang der gesamten Bildungskette.

Warum denken Sie, dass es wichtig und richtig ist, so früh anzusetzen?

Porträtbild von Max-Martin Deinhard
© IHK Ulm
Ein begeisterter MINT-Förderer: der Hauptgeschäftsführer der IHK Ulm Max-Martin Deinhard.

Im Elementarbereich erreichen die pädagogischen Fachkräfte fast alle Kinder, unabhängig von Herkunft und familiärem Hintergrund, mit technisch-naturwissenschaftlichen Themen. Zudem bietet das gemeinsame Forschen viele Gesprächsanlässe und somit die Gelegenheiten sprachfördernd aktiv zu werden. Wir sind davon überzeugt, dass diese früh erworbenen Kompetenzen den Lebensweg vieler Kinder prägen. Ziel ist es, langfristig die Faszination für Technik und naturwissenschaftlichen Zusammenhängen anzustoßen und damit frühzeitig einen Beitrag zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in diesem Bereich zu leisten.

Womit überzeugt Sie der Ansatz der Stiftung "Haus der kleinen Forscher"?

Mit unserem Netzwerk in Zusammenarbeit mit dem "Haus der kleinen Forscher" können wir flächendeckend und nachhaltig praktisch alle Kinder in der IHK-Region Ulm mit naturwissenschaftlichen Themen erreichen.

In einer sich wandelnden Welt geht es zunehmend weniger darum, Fakten auswendig zu lernen und diese wiederzugeben. Wichtiger wird es dafür, sich eigenständig Dinge zu erarbeiten, mit Freude ein Leben lang zu lernen und auch Informationen richtig einordnen und bewerten zu können. Hierfür ist der Ansatz des forschenden Lernens eine hervorragende Vorbereitung.

Diese früh erworbenen Kompetenzen werden den Lebensweg der Kinder prägen.

Max-Martin Deinhard

Spielt da auch die Förderung weiblicher MINT-Vorbilder eine Rolle? Schließlich ist jede Erzieherin, die mit den Kindern forscht und entdeckt, genau das.

Absolut, mit den Angeboten vom "Haus der kleinen Forscher" lernen die pädagogischen Fachkräfte Themen kennen, zu denen sie sonst möglicherweise keinen Zugang gefunden hätten. Die Erzieherinnen werden in den Fortbildungen selbst zu Forscherinnen und erleben die Begeisterung über gelungene Experimente am eigenen Exempel. Diese Begeisterung tragen sie dann in ihre Einrichtungen weiter und können damit auch die Kinder anstecken.

Kitas und Fachkräftesicherung? Wie passt das zusammen? Und: Sollten Kinder in dem Alter nicht einfach "nur spielen"?

Die Kindergartenkinder zeigen große Neugier an Naturphänomenen und haben Freude am Entdecken, Forschen und Experimentieren. Forschen ist spielen, spielen ist forschen. Gerade in den ersten sechs Lebensjahren lernen die Kinder überproportional schnell und intensiv. So können sie ihre naturwissenschaftlichen und technischen Neigungen entwickeln. Mit dem Projekt "Faszination Naturwissenschaften und Technik" knüpfen wir vom Kindergarten bis zum Schulabschluss an die Neugier und Entdeckerfreude der Kinder an. Dadurch kann ein dauerhafter Grundstein gelegt werden, der Einfluss auf die spätere Berufswahl haben kann.

Ein starkes Netzwerk - bundesweit

Mit über 200 lokalen Partnern hat die Stiftung "Haus der kleinen Forscher" ein einzigartiges Bildungsnetzwerk etabliert. Diese Netzwerkpartner bieten Kitas, Horten und Grundschulen ihrer Region die Möglichkeit, die vielfältigen Bildungsangebote zu Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sowie Bildung für nachhaltige Entwicklung in ihren Alltag zu verankern. Das lokale Netzwerk motiviert und berät die Einrichtungen und organisiert regelmäßig Fortbildungen vor Ort.

Die Industrie- und Handelskammer Ulm ist der lokale Ansprechpartner für die Landkreise Biberach, Alb-Donau-Kreis und Ulm.

Finden Sie ein Netzwerk in Ihrer Nähe
Portrait von Mareike Mittelbach
Autor/in: Mareike Mittelbach

Ich bin Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in den Netzwerken bei der Stiftung "Haus der kleinen Forscher". Mein Lieblingsnetzwerk – das ganze große "Haus der kleinen Forscher" - verbindet Menschen mit einer großartigen pädagogischen Sicht auf die Kinder und die Welt. Ich bin ein riesiger Fan jedes begeisterten Pädagogen und jeder begeisterten Pädagogin und liebe es, all ihre spannenden Geschichten von Forschungs- und Entdeckungsreisen, großen und kleinen Erkenntnissen zu erzählen.

Alle Artikel von Mareike Mittelbach
Kommentar schreiben