International vernetzt für gute frühe MINT-Bildung

Hände werde in einer Mitte aufeinander gelegt.
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Nach der "IDoS2019"-Konferenz entsteht nun ein internationales Netzwerk für den Austausch zu früher MINT-Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Das Feld der frühen MINT-Bildung gewinnt international an Bedeutung. Entsprechend groß ist auch der Wunsch führender Bildungsorganisationen, ihr Wissen über Ländergrenzen hinweg zu teilen und von- und miteinander zu lernen. Um diesem Austausch eine Plattform zu geben, wurde 2017 die Initiative "IDoS" gegründet. Was sich dahinter verbirgt und warum sich IDoS gerade neu formiert, erzählen, aus den initiierenden Organisationen, Projektleiterin Nina Henke (Stiftung "Haus der kleinen Forscher") und Projektleiter Badin Borde (Siemens Stiftung).

2017 und 2019 fanden in Berlin die IDoS-Konferenzen statt. Jetzt gibt es eine neue Initiative unter gleichem Namen. Wofür steht IDoS konkret?

IDoS Logo
© Stiftung Haus der kleinen Forscher

Nina Henke: IDoS ist kurz für "International Dialogue on STEM Education" und meint grob gesagt den Austausch zwischen Akteurinnen und Akteuren verschiedenster Nationen zum Themenbereich der MINT-Bildung.
Bei den internationalen IDoS-Konferenzen kamen jeweils etwa 100 Expertinnen und Vertreter aus Bildung, Wissenschaft und Politik zusammen und diskutierten unter anderem darüber, wie sie ihre Bildungsarbeit im jeweiligen Land verbessern und nachhaltiger gestalten können. Zum Beispiel stellte eine Initiative aus Chile vor, wie sie Lehrkräfte dazu befähigt, Kindern Bildung für nachhaltige Entwicklung näherzubringen. Ein australisches Projekt zeigte wiederum, wie naturwissenschaftliche Bildung auch die Lese- und Schreibkompetenz bei Kindern fördern kann. Für die Teilnehmenden war dieser Erfahrungsaustausch über den Tellerrand hinaus so wertvoll, dass unsere Stiftungen nach der Konferenz 2019 beschlossen, die Initiative neu zu formieren und IDoS als internationales Netzwerk fortzuführen.

Was ist neu?

Badin Borde: Als Netzwerk können wir IDoS breiter denken und gestalten. Das Ziel der Initiative ist es, einen "Peer Dialog" also einen systematischen und regelmäßigen Austausch zwischen den international führenden Akteuren der MINT-Bildung für Nachhaltige Entwicklung zu etablieren. Diese Akteure verfügen jeweils über eigene Netzwerke, die von dem globalen Wissensaustausch profitieren und den internationalen Dialog gleichzeitig - und das ist besonders wichtig - um die regionale und lokale Bildungspraxis erweitern. Auf diese Weise soll die neue IDoS-Initiative einen kontextorientierten Beitrag zu einem systemischen Wandel des globalen Bildungssystems leisten, der den wissenschaftlichen Diskurs mit der Bildungspraxis vereint.

Wir glauben auch, dass sich große Herausforderungen nur gemeinsam und durch internationale Zusammenarbeit bewältigen lassen.

Badin Borde, Projektleiter

Wozu braucht es einen internationalen Dialog zu früher MINT-Bildung überhaupt?

Nina Henke: Im "Haus der kleinen Forscher" und der Siemens Stiftung sind wir uns einig, dass Kinder durch MINT-Bildung wichtige Kompetenzen erwerben, die ihnen dabei helfen, die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu bewältigen. Der Klimawandel oder die Digitalisierung beispielsweise sind sehr komplexe Themen, die Kinder zunächst verstehen lernen müssen, bevor sie aktiv darauf Einfluss nehmen können. MINT-Bildung ist dafür ein wichtiger Baustein. Und weil dies auch ein global immer größer werdendes Feld ist, haben viele Länder ein starkes Interesse daran, sich fachlich dazu auszutauschen und die Bildungsarbeit im eigenen Land effizienter, effektiver und wissensbasierter umzusetzen.

Badin Borde: Wir glauben auch, dass sich große Herausforderungen nur gemeinsam und durch internationale Zusammenarbeit bewältigen lassen. Wenn die IDoS-Peers, selbst als wichtige internationale Bildungsakteure sowie als Vertretende ihrer Netzwerke, ihr Wissen, ihre Expertise und erfolgreiche Praxisbeispiele bündeln und gemeinsam weiterentwickeln, dann ist da ein gewaltiges Potenzial, um über die MINT-Bildung und das Bildungssystem weltweit zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen. Denn hier sehen wir das Potential für tatsächliche an andauernde Veränderung.

Welche Organisationen sind Teil der IDoS-Initiative und was sind ihre Aufgaben?

Nina Henke: Derzeit gibt es drei Peers, also Organisationen, die der IDoS-Initiative angehören. Die Siemens Stiftung und die Stiftung "Haus der kleinen Forscher" als initiierende Mitglieder fungieren dabei als sogenannte Architektinnen. Das heißt, sie koordinieren den Aufbau des Netzwerkes, organisieren die Peer-Treffen und Veranstaltungen und sorgen für einen regelmäßigen Austausch sowie eine gute Kommunikation nach innen und außen. Natürlich tragen sie aber als Peers genauso inhaltlich zu den Dialogen bei.
Seit diesem Jahr (2021) ist außerdem das Smithsonian Science Education Center Mitglied unseres Dialognetzwerks. Als dritter Peer nimmt diese, in den USA führende, Organisation für MINT-Bildung an unseren fachlichen Austauschen zu verschiedensten Themen teil und bringt dabei ihre Expertise mit ein. Mit Smithsonian haben wir schon im Rahmen der "IDoS2019"-Konferenz eng kooperiert und als Teil einer Programmkommission ein gemeinsames Positionspapier zum Thema "MINT-Bildung für Nachhaltige Entwicklung" herausgebracht. Künftig planen wir, gemeinsam mit den Peers ein weiteres Positionspapier zu erarbeiten. Voraussichtlich geht es darin um das Thema "Netzwerkarbeit in der Bildung".

Positionspapier: "MINT-Bildung für Nachhaltige Entwicklung"

Ein Mann unterzeichnet symbolisch ein Positionspapier auf einem Aufsteller.
© Stiftung Haus der kleinen Forscher

Lesen Sie hier das auf der "IDoS2019"-Konferenz gemeinsam von den Bildungsakteuren unterstützte Positionspapier "STEM Education for Sustainable Development" (in englischer Sprache).

Zum Dokument

Und wie kann man IDoS-Peer werden?

Badin Borde: Das Partnernetzwerk ist eine Gemeinschaft herausragender Organisationen der MINT-Bildung und strebt an, zu einem Wandel im globalen Bildungssystem zu führen, um die Bedeutung und Anerkennung der MINT-Bildung zu stärken. Das ist der Anspruch an jeden weiteren Peer. Zu Beginn der Neuausrichtung haben wir verschiedene Kriterien bestimmt, die neue Peers erfüllen sollten. Dazu gehören eigene regionale/internationale Bildungs- und Lehrkräftenetzwerke und der Fokus auf qualitativ hochwertige und wissenschaftlich fundierte frühe MINT-Bildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung. Ebenso wichtig ist uns die Professionalisierung von Pädagoginnen und Pädagogen sowie die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften. Wir suchen aktiv nach weiteren Mitstreitern, die diese Kriterien erfüllen. Gleichzeitig laden wir interessierte und gleichgesinnte Institutionen dazu ein, sich direkt mit uns in Verbindung zu setzen, um weitere Rollen im Netzwerk auszufüllen und als offenes Netzwerk zu wachsen.

Wird es wieder eine große Konferenz geben?

Nina Henke: Zunächst konzentrieren wir uns darauf, weitere Peers für unser Netzwerk zu finden. Im Jahr 2022 hätten wir gern mindestens fünf Organisationen unter IDoS vereint, gern auch mehr. Neben dem finanziellen Aufwand, der bei einer internationalen Konferenz natürlich hoch ist, spielt für uns der Nachhaltigkeitsaspekt eine große Rolle, ebenso wie aktuell der Infektionsschutz, der von vermeidbaren Reisen absieht. Deshalb wird es vermehrt virtuelle Meetings geben, die aber mindestens genauso produktiv sind. Eine Konferenz oder ein kleineres Format zum persönlichen Kennenlernen wollen wir aber nicht ausschließen. In diesem Sinne: "Watch this space!"

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IDoS wird gefördert durch die Siemens Stiftung sowie durch das Auswärtige Amt und steht unter der Schirmherrschaft der Deutschen UNESCO-Kommission und der OECD.

Portrait von Julia Oberthür
Autor/in: Julia Oberthür

Bildung für alle und Nachhaltigkeit – diese Themen gehören für mich unbedingt zusammen. Deshalb arbeite ich im "Haus der kleinen Forscher" aus Überzeugung. Als Referentin für Presse, Public Affairs und Digitale Kommunikation unterstütze ich unser Team dabei, ansprechende Texte und klare Botschaften für eine breite Öffentlichkeit zu formulieren. Ich schreibe auch hin und wieder privat, noch lieber widme ich mich aber der Musik, singe in einem Berliner Chor und spiele Gitarre.

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