Dialog zur MINT-Bildung: Ein Netzwerk entsteht

Hände setzen braune Steine auf ein Bild, auf dem ein Netzwerk abgebildet ist.
© Christoph Wehrer/Stiftung Haus der kleinen Forscher
Das internationale IDoS-Netzwerk, bestehend aus derzeit drei Mitgliedsorganisationen, soll systematisch ausgebaut werden.

Seit 2017 findet unter dem Namen IDoS (kurz für: International Dialogue on STEM Education) ein Austausch zwischen Akteuren verschiedenster Länder zu früher MINT-Bildung statt. Zwei große Konferenzen in Berlin mit über 100 Teilnehmenden aus aller Welt reichten jedoch nicht aus, um dieses wichtige Bildungsfeld tiefgründig zu diskutieren. Über die Entstehung eines Netzwerks, in dem der Dialog zur frühen MINT-Bildung nun systematisch und zu unterschiedlichen Fokusthemen fortgeführt werden soll.

Berlin, München, Washington. Am Jahresende trafen sich die Mitglieder des seit 2021 neu im Aufbau befindlichen IDoS-Netzwerks zum dritten Mal, um auf bereits Erreichtes sowie auf künftige Aufgaben zu blicken. Die sogenannten Peers, die Vertreterinnen und Vertreter der aktuell drei großen Mitgliedsorganisationen von IDoS, haben sich viel vorgenommen. Sie alle eint ein gemeinsames Ziel: Den Stellenwert einer frühen, auf Nachhaltigkeit ausgerichteten MINT-Bildung weltweit zu befördern und die Bildungsarbeit im jeweils eigenen Land professioneller, effizienter und wissensbasierter umzusetzen. Vor diesem Hintergrund stehen die Siemens Stiftung, die Stiftung "Haus der kleinen Forscher" sowie das Smithsonian Science Education Center (SSEC) seit dem Kick-Off-Treffen im Juni 2021 im regelmäßigen Dialog.

Wissenstransfer zur MINT-Bildung schon lange gefragt

Die Weichen für das IDoS-Netzwerk wurden aber viel früher gestellt. So stieß das Bildungsprogramm vom "Haus der kleinen Forscher" bereits vor mehr als zehn Jahren auf großes Interesse des thailändischen Königshauses. Es folgte ein intensiver Austausch und Wissenstransfer zwischen der deutschen Bildungsinitiative und dem in Thailand gegründeten "Little Scientists House of Thailand", bis die Initiative in Südostasien auf eigenen Beinen stand und in der Lage war, ein speziell an die Bedürfnisse des Landes angepasstes Fortbildungsprogramm für die pädagogischen Fach- und Lehrkräfte der thailändischen Bildungseinrichtungen anzubieten. Ähnliches geschah in Australien und in den Niederlanden, wo die Stiftung "Haus der kleinen Forscher" bei der Adaption ihres innovativen Modells beratend zur Seite stand.

Nach und nach wuchs weltweit der Bedarf an einem internationalen, fachlichen Austausch, der sich mit der Frage nach einer qualitativ hochwertigen und zukunftsgerichteten MINT-Bildung befasst und die Expertisen verschiedenster Länder zusammenträgt.

Durch die beiden IDoS-Konferenzen 2017 und 2019 und in mehreren Themenworkshops ist es der Siemens Stiftung und der Stiftung "Haus der kleinen Forscher" als Initiatoren gelungen, eine Vielfalt an Wissen und Best-Practice-Erfahrungen aus diesem Bildungsfeld gemeinsam mit zahlreichen Akteuren aus aller Welt zusammenzutragen. So entstand auch das Positionspapier "STEM Education for Sustainable Development", verfasst durch einen internationalen Expertenausschuss der IDoS-Initiative.

Ein Dialognetzwerk entsteht

Trotz den Erfolgen der internationalen Konferenzen wurde deutlich, dass sich die Interessen und Ziele der Teilnehmenden eines solchen Austausches nur schwer in einer zweitägigen Präsenzveranstaltung adressieren lassen, die außerdem kostspielig und logistisch aufwändig ist. Auch nehmen die Akteure des Netzwerks Nachhaltigkeitsaspekte sehr ernst. So ist es in Zeiten der globalen Klimakrise angebracht, Konferenzen und beispielsweise die Aspekte der weltweiten Anreise neu zu bewerten. Die Corona-Pandemie hat dieses Umdenken noch einmal deutlich beschleunigt und die Frage nach alternativen Austauschmöglichkeiten im Netzwerk aufgeworfen. Das "Haus der kleinen Forscher" und die Siemens Stiftung suchten deshalb nach der "IDoS2019"-Konferenz nach neuen Wegen, den internationalen Dialog fortzuführen, und zogen dabei auch externe Beratung hinzu.

Als Ergebnis steht heute das IDoS-Peernetzwerk in den Kinderschuhen. Die Initiative ermöglicht einen systematischen und regelmäßigen Austausch zwischen den weltweit besten Akteuren im Bereich der frühen MINT-Bildung (den IDoS-"Peers"). Anders als auf großen Konferenzen treten die teilnehmenden Organisationen nun in unterschiedlicher Weise in den Dialog. Sei dies in virtuellen Peer-Treffen, die seit 2021 quartalsweise stattfinden, in Themenarbeitsgruppen oder zu anderen Anlässen. Die Beteiligten mit ihren jeweils eigenen regionalen Netzwerken haben dabei die Möglichkeit, eigene Themen und Fragestellungen aus dem Bereich der MINT-Bildung mit einzubringen, von und mit den anderen Teilnehmenden zu lernen und so die Bildungsarbeit im eigenen Land voranzubringen.

Im Jahr 2022 soll das Netzwerk aus derzeit drei Peer-Organisationen um mindestens zwei weitere ergänzt werden. Diese werden von den bestehenden Peers sorgfältig nach zuvor festgesetzten Kriterien ausgewählt und sollen möglichst aus verschiedenen Regionen der Erde kommen, beziehungsweise dort auf die Bildungssysteme Einfluss haben. Immerhin wird mit dem IDoS-Netzwerk auf lange Sicht angestrebt, die frühe MINT-Bildung weltweit zukunftsfähig mitzugestalten.

Starke Partner für gute frühe Bildung

Eine große Aufgabe, die auf gesichertem finanziellen Boden stehen muss. Deshalb begrüßt die IDoS-Initiative die finanzielle Förderung, die in großen Teilen von der Siemens Stiftung kommt und bis Ende 2021 vom Auswärtigen Amt ergänzt wurde. 2022 übernimmt die Teilförderung der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD e.V.). Besonders stolz sind die Mitglieder von IDoS auch auf die Übernahme der Schirmherrschaft durch zwei im Bereich Bildung und Nachhaltigkeit wichtige Organisationen, die zuvor schon die IDoS-Konferenzen unterstützten. Die Deutsche UNESCO-Kommission und die OECD stehen dem Netzwerk IDoS seit seiner Neuformierung als ideelle Partner zur Seite.

Portrait von Julia Oberthür
Autor/in: Julia Oberthür

Bildung für alle und Nachhaltigkeit – diese Themen gehören für mich unbedingt zusammen. Deshalb arbeite ich im "Haus der kleinen Forscher" aus Überzeugung. Als Referentin für Presse, Public Affairs und Digitale Kommunikation unterstütze ich unser Team dabei, ansprechende Texte und klare Botschaften für eine breite Öffentlichkeit zu formulieren. Ich schreibe auch hin und wieder privat, noch lieber widme ich mich aber der Musik, singe in einem Berliner Chor und spiele Gitarre.

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