MINT ist überall: Wie ein Onlinekurs entsteht

Illustration einer Kita aus der Vogelperspektive ohne Dach. Eine Schaukel, das Badezimmer und der Essensraum.
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Die Vogelperspektive einer Kita strukturiert den Kurs

Offene Online-Kurse sind das flexibelste Fortbildungsformat auf dem Campus. Im offenen Online-Kurs "MINT ist überall" lernen pädagogische Fachkräfte zeitunabhängig, wie sie im Alltag ohne Vorbereitung MINT-Lernsituationen schaffen können. Was braucht es, um so ein Kursangebot zu erstellen?

Der offene Online-Kurs "MINT ist überall" ist Teil des gleichnamigen Bildungsangebots, das aus einer Präsenz- und mehreren Online-Komponenten besteht. Erstmals wurden in der Entwicklung des Angebots alle Komponenten gleichzeitig konzipiert, mit dem Ziel einander zu ergänzen und als Einheit zu funktionieren. So können Fachkräfte entscheiden, ob sie klassisch an einer Präsenzfortbildung teilnehmen oder sich dem Thema zunächst online nähern möchten.

Ein Kurs, der als Online-Erstkontakt mit dem Thema vorgesehen ist, muss deswegen eine doppelte Funktion erfüllen: Für alle, die zuvor noch keinen Kontakt mit dem Angebot hatten, sollte er als niedrigschwelliger Einstieg in das entdeckend-forschende Lernen, die vier MINT-Disziplinen und das alltagsintegrierte Forschen fungieren. Für jene, die durch vorhergehende Fortbildungen bereits mit den Konzepten der Stiftung "Haus der kleinen Forscher" vertraut sind, sollte er aber genauso gut vorhandenes Wissen auffrischen können ohne zu langweilen.

Konzeptentwicklung: Online-Stärken nutzen

Zwei Referentinnen der Stiftung, Anne Lehmann und Veronica Oelsner, erstellten zunächst ein grobes Konzept mit den wichtigsten Leitlinien. Beide arbeiteten als Teil des Teams "Inhaltliche Entwicklung" am gesamten Bildungsangebot "MINT ist überall". Sie entschieden, dass der offene Online-Kurs im Wesentlichen die gleichen Inhalte transportieren sollte, wie die gleichnamige Präsenzfortbildung, ohne diese jedoch eins zu eins abzubilden.

Als Lernziele definierten Anne und Veronica, dass Absolventinnen und Absolventen des Kurses in der Lage sein sollten, MINT-Gelegenheiten im (Kita-)Alltag zu erkennen und daraufhin MINT-Denken und -Handeln bei Kindern zu fördern. Außerdem sollten die Fachkräfte erinnert werden, was genau "MINT" eigentlich bedeutet und welche Gemeinsamkeiten die vier Disziplinen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik haben – ganz im Sinne des Bildungsangebots, das sich den vier Buchstaben ebenfalls zum ersten Mal gemeinsam nähert.

Aus der Konzeptionsphase stammte außerdem die Idee, im Online-Kurs eine Karte der Einrichtung als strukturierendes Element einzusetzen. Wenn sich eine Fachkraft Stück für Stück durch ein Abbild der eigenen Kita klickt, so der Gedanke, fällt es leichter, über konkrete Beispiele für potenzielle MINT-Lernsituationen einen Alltagsbezug herzustellen. Was ein Online-Kurs hingegen nicht bieten kann, ist die Eigenerfahrung und den direkten Austausch mit Kolleginnen und Kollegen in einer Präsenzfortbildung. Daher schlug das Konzept-Team vor, den Kurs stattdessen mit zusätzlichen theoretischen Infos anzureichern, die in der Präsenz schwieriger zu vermitteln sind, aber am heimischen Rechner in Ruhe konsumiert werden können. Außerdem sollte der Kurs Impulse für die eigene Reflektion enthalten.

Zwei Reihen à fünf Bildchen, die das Kursgeschehen skizzenhaft abbilden
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Jeder Kurs entsteht zunächst als Storyboard

Von der Offline-Planung zur Online-Umsetzung

Nun ist das Team "Online Lernen" gefragt, das Kurskonzept tatsächlich am Rechner umzusetzen. Dafür entwickeln die Referentinnen für Online-Lernen in Rücksprache mit ihren Kolleginnen aus der Inhaltsentwicklung zunächst ein Storyboard für den Kurs. Anschließend wird der Kurs am Computer "gebaut" und die dafür notwendigen Medien werden produziert. Schließlich wird getestet, ob er auch wie geplant funktioniert.

Für die Ausgestaltung des Kurses griff Online-Lern-Referentin Andrea Ehni die Ideen aus der Konzeptphase auf und setzte sie in konkreten Beispielen um. Sie entschied sich, dass eine fiktive Fachkraft namens Nadine durch den Kurs führen sollte, damit der Kurs in seiner Perspektive stets bei denen bleibt, für die er gemacht wurde. Für einige Beispiele konnte sie bereits auf die parallel entstehende Broschüre zu "MINT ist überall" zurückgreifen – etwa der Waschraum als Umgebung, in dem sich alle MINT-Disziplinen entdecken lassen.

Um das selbstregulierte Lernen zu unterstützen bemühte sich Andrea auch, den Kurs möglichst interaktiv und anregend zu gestalten. Wer abwechslungsreich und mit klarem Feedback arbeitet, kann sich Gelerntes besser merken. Kleine Zuordnungsquizzes helfen außerdem dabei, Wissen überprüfbar zu machen.

Der mediale Feinschliff

Für die Medienproduktion konnte das Online-Team Wünsche äußern, die dann beispielsweise beim Fototermin für "MINT ist überall" umgesetzt wurden. Andere Elemente, etwa die Audio-Interviews, produzierte es selbst. Eine hohe Medienvielfalt hilft dabei, das Thema auf viele verschiedene Arten erlebbar zu machen.

Die abschließenden Tests sorgten nicht nur dafür, sicherzustellen, dass alle Elemente gut ineinandergreifen. Sie stellten auch sicher, dass der Kurs gut an den offenen Online-Kurs "MINT-Brille" und die moderierten Online-Kurse "Fragenfächer im Einsatz" und "Forscherideen im Alltag" anschließt, die ebenfalls zum Gesamtgefüge von "MINT ist überall" gehören. Im Oktober 2019 wurde der offene Online-Kurs "MINT ist überall" schließlich für die Öffentlichkeit freigegeben. Bisher ist er schon knapp 5000 mal abgeschlossen worden.

Dieser Artikel entstand aus Gesprächen mit Andrea Ehni und Anne Lehmann.

Portrait von Alexander Matzkeit
Autor/in: Alexander Matzkeit

Ich bin in der Stiftung "Haus der kleinen Forscher" Referent für Digitale Kommunikation. Privat schreibe ich über Film, Medien und Zukunft in meinem Blog "Real Virtuality" und auf Twitter (siehe Links).

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