Was sich Kita-OE von anderen Ländern abschauen kann

Nahaufnahme eines Globus auf Europa. Der Globus scheint aus den 80er Jahren zu stammen, er hat noch die Grenzen aus der Zeit des Kalten Krieges.
© Pixabay
Ein guter erster Schritt für Kitas: Schauen, ob der Globus aktuell ist. Dieser ist ziemlich veraltet.

Wer das Thema Organisationsentwicklung von Kitas in Deutschland vorantreiben will, tut gut daran, auch über den Tellerrand zu schauen. Im Auftrag des Forums KITA-Entwicklung haben zwei Forscherinnen Literatur sowie Interviews aus sechs Ländern zusammengetragen und daraus eine Expertise erstellt. In einem Webinar haben sie im Februar von ihren Ergebnissen berichtet.

Fast 200 Interessierte aus Praxis, Forschung und Verwaltung nahmen am Webinar von Prof. Dagmar Berg-Winkels von der Alice Salomon Hochschule in Berlin und Prof. Daniela Ulber von der HAW Hamburg teil. Die Aufmerksamkeit war hoch während Daniela Ulber das Ergebnis ihrer kritischen Literaturbetrachtung vorstellte und Dagmar Berg-Winkels anschließend berichtete, was sie aus Gesprächen mit Expertinnen und Experten aus Dänemark, Belgien, den Niederlanden, Israel, Russland und China an konkreten Erfahrungen mitnehmen konnte. Beide Teile des Vortrags hatten gemeinsam, dass sich aus der wissenschaftlichen Arbeit keine einfachen Rezepte oder universalen Handlungsanweisen ableiten lassen. Dennoch waren sich die Autorinnen einig, dass sich interessante Hinweise dafür fanden, wie Organisationsentwicklungs-Maßnahmen in deutschen Kitas unterstützt werden könnten.

Alleine wird das nichts

Auf Basis der Literatur-Review konnte Daniela Ulber drei Kernthesen herausarbeiten:

  1. Organisationsentwicklung (OE) ist ein komplexer Prozess. Er lässt sich nicht auf die Schnelle etablieren und braucht spezifische Methoden und Instrumente. In Deutschland fehlen dazu noch konkrete Handreichungen, Checklisten oder Methodenkoffer.
  2. Die Leitung spielt eine zentrale Rolle im OE-Prozess. Sie braucht das Bewusstsein für ihre Verantwortung im Aufgabengebiet OE, einen Handlungsspielraum sowie Kompetenzen für die in der OE benötigten Führungs- und Managementaufgaben.
  3. Alleine wird das nichts. International finden sich deutlich mehr institutionalisierte Kooperationen und Unterstützungsformen, beispielsweise der "Whole Systems Approach" in Norwegen und Dänemark.

Alles nur Projekt?

Auch Dagmar Berg-Winkels arbeitete aus ihren Interviews mit Kita-Leitungen und Experten im administrativen oder Hochschulbereich aus sechs Ländern einen Dreiklang an Schlussfolgerungen heraus:

  1. Organisationaler Wandel ist in der Regel projektbezogen und von regionalen Strukturen abhängig. Es handelt sich um einen langfristigen Begleitungsprozess, der externer Expertise bedarf. Das gilt trotz aller Unterschiedlichkeit der politischen Strukturen in den Ländern der Interviewpartnerinnen und Interviewpartner.
  2. Die genutzten Messinstrumente für Erfolg sind sehr unterschiedlich. Häufig werden auch sie direkt projektbezogen entwickelt.
  3. Eine gute Finanzierung des Feldes und eine hohe Ausbildungsqualität des Personals sind für den Prozess besonders wichtig.

Den ganzen Vortrag ansehen

Was möchten eigentlich alle?

Im Anschluss an den Vortrag diskutierten die Anwesenden zur These "Kindertageseinrichtungen sollen sich eigenständig entwickeln – dabei müssen sie adäquat unterstützt werden". Dabei arbeiteten sie unter anderem heraus, dass Personalmangel in anderen Ländern mit größerer frühkindlicher Bildungstradition nicht so ein großes Thema ist wie in Deutschland. Hier sah Daniela Ulber noch den Bedarf für eine "viel größere Kraftanstrengung" in der Bundesrepublik. Unter anderem, so ein Diskussionsteilnehmer, könnte der Beruf noch attraktiver gestaltet werden, gerade auch mit Blick auf die Digitalisierung. Eine klare Absage erteilte Daniela Ulber der Frage, ob Kitas einzelnen Vorbildern "nacheifern" sollten. Sie plädiert dafür, bei der Organisationsentwicklung auf "partizipative Diagnostik" zu setzen. Mit anderen Worten, zu fragen: "Was möchten eigentlich alle?"

Die Autorinnen der Expertise "Internationale Perspektiven auf Organisationsentwicklung in Kitas"

  • Prof. Dr. habil. Dagmar Bergs-Winkels ist Prorektorin für Studium und Lehre und Professorin für Pädagogik der Kindheit an der Alice Salomon Hochschule Berlin. Neben Organisationsentwicklung forscht sie zu Begabungsförderung im vorschulischen Bereich, Evaluation und Leseförderung.
  • Prof. Dr. Daniela Ulber ist Diplom-Psychologin, Kommunikationswirtin und systemische Therapeutin sowe  Professorin für Institutionsentwicklung und Management an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Ihre Interessen liegen in den Bereichen Qualitätssicherung, Organisationsdiagnostik und Führung.
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Autor/in: Franziska Elgleb

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