Stiftung im Wandel: Per "New Work" durch die Pandemie

Vorstand Angelika Dinges
© Heidi Scherm/Stiftung Haus der kleinen Forscher
Vorständin Angelika Dinges über neue Wege, die die Stiftung "Haus der kleinen Forscher" in Krisenzeiten einschlug

Alles war plötzlich anders im März 2020. Die Corona-Krise bedeutete einen starken Einschnitt in den Stiftungsalltag. Gleichzeitig beschleunigte sie das Neue Arbeiten im digitalen Zeitalter: Remote Work, hybride Meetings und digitale Tools für kreativen Austausch wurden Teil der Arbeitswelt. Vorständin und Expertin für Organisationsentwicklung Angelika Dinges beschreibt, wie die Stiftung "Haus der kleinen Forscher" mit Strategie und Teamgeist den Weg durch den Pandemietunnel bewältigt.

Die Pandemie hat Unternehmen und Organisationen vor ganz neue Herausforderungen gestellt. Worauf musste sich in diesem Zusammenhang die Stiftung in den letzten eineinhalb Jahren einstellen?

Die Corona-Pandemie hat uns einiges an Flexibilität abverlangt. Nicht nur, dass wir alle Mitarbeitenden am 16.03.2020 von einem Tag auf den anderen (bis heute) ins Home Office geschickt haben und damit völlig neue Formen der Zusammenarbeit entwickeln mussten. Viele Präsenz-Veranstaltungen wurden abgesagt, Trainerinnen und Trainer konnten Fortbildungen vor Ort nicht mehr durchführen und die Netzwerkkoordinatorinnen und -koordinatoren mussten neue Wege finden, den Kontakt zu Kitas, Horten und Grundschulen aufrecht zu erhalten. Hinzu kam, dass unsere Online-Fortbildungen während der vorübergehenden Schließungen vieler Bildungseinrichtungen plötzlich so stark nachgefragt waren wie nie. Das Vorurteil, pädagogische Fach- und Lehrkräfte würden digitale Fortbildungsformate eher zurückhaltend nutzen, wurde ausgeräumt. Entscheidend war: Pädagogische Fach- und Lehrkräfte hatten Zeit, um an Fortbildungen teilzunehmen und wurden zudem von ihren Einrichtungen angehalten, die Zeit der Schließung von Einrichtungen zur persönlichen Fortbildung zu nutzen. Eine wichtige "lessons learned" und zugleich eine echte Herausforderung für uns als Stiftung!

Inwiefern war die Stiftung hier gefragt?

Die Stiftung musste (und wollte!) unglaublich schnell zusätzliche digitale Angebote anbieten und stellte in diesem Zug viele ihrer Präsenz- auf Online-Fortbildungen um. Die Digitalisierung unserer Angebote hatten wir zwar bereits vor der Pandemie geplant und als Teil unserer Digitalstrategie auch mit der Umsetzung begonnen. Durch die Corona-Pandemie wurde die Nachfrage dann aber enorm befeuert.

Auch die zentralen Veranstaltungen und Kampagnen, wie unsere "Netzwerktagung", der "Tag der kleinen Forscher" und der "Forschergeist"-Wettbewerb wurden in digitale Formen verwandelt. Eine bemerkenswerte Leistung! Vor allem, wenn man bedenkt, dass sich sowohl die Stiftung als Organisation mit all ihren bestehenden Strukturen, Prozessen und Regelungen wie auch jeder einzelne Mitarbeitende blitzschnell umstellen und auf das Remote-Arbeiten im Home-Office einrichten mussten. Wir sind alle durchaus stolz darauf, dass uns das sehr gut gelungen ist. Wir haben für die diversen Herausforderungen gemeinsam sehr schnell gute Lösungen gefunden, um unsere Zielgruppe gerade in Pandemiezeiten auch über die digitalen Wege gut zu unterstützen. Das zeigen auch die Zahlen und das Feedback der Nutzenden unserer digitalen Angebote.

Was war entscheidend für das gute Gelingen dieser Umstellungen und welche Lehren zieht die Stiftung daraus?

Drei Dinge fallen mir spontan dazu ein:

Erstens: Wir haben die Chancen und Herausforderungen für unseren Stiftungsauftrag insgesamt schnell erkannt, wichtige Entscheidungen schnell getroffen und auf eigenverantwortliche Lösungen aller gesetzt. Natürlich brauchte es zentrale Entscheidungen, etwa über das Ausmaß der Digitalisierung oder zu Arbeitszeitregelungen und Hygienemaßnahmen, die auf Leitungsebene frühzeitig zu Beginn der Pandemie getroffen und an entscheidenden Zeitpunkten überprüft, verändert oder bestätigt wurden. Wir alle in der Stiftung haben aber dazu beigetragen, notwendige Veränderungen mutig und schnell umzusetzen. Das zu erleben war großartig! Zwar bedeutete das für alle, sich auf unbekanntem Terrain zu bewegen und auch mal Fehler zuzulassen. Wir haben aber viel gelernt und erkannt, dass das geht und dass wir uns aufeinander verlassen können.

Wir haben gelernt: Miteinander arbeiten geht auch digital.

Angelika Dinges

Zweitens: Wir alle in der Stiftung haben uns gemeinsam sehr schnell auf ein digitales Arbeiten auf Distanz eingestellt und dieses gut gemeistert. Wir haben gelernt: Miteinander arbeiten geht auch digital. Zügig wurden neue Tools in den Arbeitsalltag integriert: Slack als Instant-Messenger ermöglicht uns einen schnellen, niedrigschwelligen Austausch via Chat und Video und reduziert unseren E-Mail-Load. Miro hat uns für kreatives Arbeiten ganz neue Möglichkeiten des visuellen Präsentierens aufgezeigt – alle nutzen es gerne und regelmäßig. Und mit Zoom führen wir unsere Meetings und Veranstaltungen durch, aber auch andere Formen des Zusammenkommens wie Kaffeepausen, kleine Team-Lunches, Sport und sogar Sommerfest und Weihnachtsfeier. Heute wissen wir um die Stärken des digitalen und des analogen Miteinanders und arbeiten an einer zukunftsfähigen Lösung, die die Vorteile beider Welten zusammenbringt.

Drittens: Die enorm hohe Nachfrage digitaler Fortbildungsangebote ist für uns als Bildungsinitiative eine Bestätigung, dass der frühzeitige Anstoß unserer digitalen Weiterentwicklung vor drei Jahren zur richtigen Zeit kam! Wir sehen, dass die Hürden, digitale Angebote zu nutzen, viel kleiner sind als wir noch vor der Pandemie vermuteten. 50.000 Nutzer und Nutzerinnen auf unserer Online-Lernplattform Campus bestätigen das. Diesen Schub durch Corona werden wir nutzen und die Onlineformate weiter ausbauen, gleichzeitig aber die Vorzüge der Präsenzformate nicht missen und so zum Beispiel das Blended-Learning, also die Verbindung beider Formate, stärken.
Auch hier haben wir erkannt: Es ist viel mehr möglich als bisher gedacht!

Es wurde schon mehrfach die digitale Weiterentwicklung angesprochen. Was bedeutet Digitalisierung konkret für die Stiftung?

Digitalisierung ist für uns auf mehreren Ebenen bedeutend. Zum einen im Bereich der frühkindlichen Bildung. Die meisten Programme und Maßnahmen für die Digitalisierung im Bildungsbereich berücksichtigen die frühe Bildung bislang kaum. Damit vernachlässigen sie einen wesentlichen Teil des Bildungswegs von Kindern. Für uns beginnt gute Bildung und dementsprechend auch gute digitale Bildung bereits mit dem Eintritt in die erste Bildungseinrichtung – die Kita. Die Stiftung vertritt die Position, dass Bildungseinrichtungen – angefangen bei der Kita – vom Einsatz digitaler Geräte profitieren. Diese dienen – genauso wie Schere, Lupe oder Buch – als  Werkzeuge zum Entdecken und Forschen und können die Methodenvielfalt beim Lernen bestens ergänzen.

Positionspapier der Stiftung zum Thema "Digitale Bildung"

Kinder erforschen die Natur mit digitalen Medien
Kinder erforschen die Natur mit digitalen Medien

Die Digitalisierung bringt sowohl Chancen als auch Herausforderungen in der Entwicklung und Bildung von Kindern mit sich. Lesen Sie hier, wie sich die Stiftung "Haus der kleinen Forscher" zum Thema "Digitale Bildung in Kita, Hort und Grundschule" positioniert.

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Die Digitalisierung, die durch Corona überall eine starke Beschleunigung erfahren hat, ist zudem für die Weiterentwicklung unserer Stiftungsarbeit zentraler Treiber und zugleich Ermöglicher. Das gilt sowohl nach innen wie auch nach außen gerichtet.

Nach außen gerichtet hilft uns die Digitalisierung dabei, unserer Zielgruppe mittels eines modernen Lernmanagement-Systems einen einfachen und attraktiven Zugang zu den für sie relevanten Angeboten zu ermöglichen.  Ziel ist es, die Pädagoginnen und Pädagogen mit einem auf ihre beruflichen Bedürfnisse zugeschnittenen Weiterbildungsangebot kontinuierlich in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Außerdem können wir uns über die Lernplattform auch fernab von Präsenzformaten fortlaufend mit den pädagogischen Fach- und Lehrkräften austauschen, wichtige Erkenntnisse und Informationen zeitnah und automatisiert erhalten und direkt für die Weiterentwicklung unserer Fortbildungen und Services nutzen.

Bei der Verbreitung unserer Angebote stehen uns zudem viele Partner und Menschen tatkräftig zur Seite. Mit ihnen machen wir unsere Angebote und Produkte in ganz Deutschland bekannt und setzen sie um. In der Digitalisierung liegt auch die Chance, die Zusammenarbeit mit unseren Partnern, mit den Trainern und Trainerinnen und mit anderen wichtigen Akteuren der frühkindlichen Bildung bundesweit neu zu denken und noch besser zu unterstützen. Und wie gesagt, wir haben alle miteinander gelernt: Es ist viel mehr möglich als bisher gedacht!

Nach innen gerichtet unterstützt uns eine gezielte digitale Weiterentwicklung darin, möglichst effizient zusammenzuarbeiten, um viel Zeit für unseren Kernauftrag zu haben. Dazu gehört, Prozessabläufe zu klären und dann auch zu automatisieren, wie beispielsweise den Rechnungslauf, die Erstellung von Arbeitszeugnissen, aber auch das E-Recruiting. Oder über den geübten Einsatz und Ausbau unseres Management-Informations-Systems für Finanzen und Personal Entscheidungen schneller und besser treffen und dokumentieren zu können.

Welche unserer Ziele wir wie mit der Digitalisierung nach innen und nach außen gerichtet schneller und besser erreichen wollen, wurde in einer Digitalstrategie definiert, die wir seit 2019 stufenweise umsetzen.

Wie geht das Arbeiten in der Stiftung die nächsten Monate weiter?

Wir haben viel gelernt über die Vor- und Nachteile des digitalen und des analogen Arbeitens. Auch über die Flexibilisierung von Arbeitszeiten und Arbeitsorten. Mit externer Unterstützung haben wir eine SWOT-Analyse für das Arbeiten in Präsenz und Remote erstellt, um das Beste beider Welten aus der Sicht der Stiftung und ihrer Mitarbeitenden sehr bewusst miteinander verbinden zu können. Über eine Umfrage haben wir erhoben, wie unsere Mitarbeitenden künftig arbeiten möchten. Die höhere Flexibilität hinsichtlich des Arbeitsortes wissen alle zu schätzen, niemand will diese mehr missen. Drei Viertel unserer Mitarbeitenden  können sich vorstellen, auch zukünftig viel mehr als bisher außerhalb der Stiftungsräume zu arbeiten. Mehr als zwei Drittel aller Mitarbeitenden wollen für kreatives Arbeiten in den Stiftungsräumen zusammenkommen. Nahezu allen fehlt im rein Digitalen das persönliche Miteinander, das das Vertrauen, den Zusammenhalt und die kreative Energie stärkt und einfach auch Freude bereitet. Diese Wünsche nach mehr Flexibilität, mehr Digitalisierung und (wieder) mehr Möglichkeiten der persönlichen und kreativen Begegnung greifen wir gerne auf, um unsere Arbeitskultur und -organisation zukunftsfähig zu gestalten.

Derzeit testen wir in mehreren Stufen und in Abhängigkeit des Pandemiegeschehens auch ein neues Raumkonzept, das einen neuen Mix aus digitalem, hybridem und analogem Arbeiten möglich machen soll. Die Räumlichkeiten im Stiftungsgebäude wurden entsprechend umgestaltet und technisch ausgestattet. Parallel stellen wir aktuelle Formen der Zusammenarbeit auf den Prüfstand und suchen Wege, mit den besonderen Anforderungen flexibler Arbeitszeiten und -orte gut umzugehen, wie viele andere auch. Ziel ist es, bis Ende 2022 einen belastbaren Plan zu haben, wie wir in einer zukunftsfähigen Organisation erfolgreich und pandemietauglich arbeiten.

 

Portrait von Julia Oberthür
Autor/in: Julia Oberthür

Bildung für alle und Nachhaltigkeit – diese Themen gehören für mich unbedingt zusammen. Deshalb arbeite ich im "Haus der kleinen Forscher" aus Überzeugung. Als Referentin für Presse, Public Affairs und Digitale Kommunikation unterstütze ich unser Team dabei, ansprechende Texte und klare Botschaften für eine breite Öffentlichkeit zu formulieren. Ich schreibe auch hin und wieder privat, noch lieber widme ich mich aber der Musik, singe in einem Berliner Chor und spiele Gitarre.

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