Mit dem MINT-Tiny-House in den Wald und ans Meer

Kinder bemalen die Holzfassade eines Tiny House mit lila, gelb und rot.
© Kita Uphof
Die Kinder der Kita Uphof in Hamm dürfen ihr Tiny House selbst bemalen.

Die Kita Uphof aus Hamm ist schon seit 2012 ein "Haus der kleinen Forscher". Für Kita-Leiterin Melanie Naber war es irgendwie selbstverständlich, sich gemeinsam mit den Kindern etwas ganz Eigenes für den neuen Forscher-Raum zu überlegen. Dabei herausgekommen ist ein multifunktionales MINT-Tiny-House.

"Tiny" ist Englisch und heißt winzig oder klein. Ein kleines Haus also ist es, was Melanie Naber und ihre engagierte Kita-Gemeinschaft zusammen mit den Kindern und ganz vielen Unterstützerinnen und Unterstützern aus der Region gerade bauen. Ein kleines Haus, das aber einer ziemlich großartigen Idee entsprungen ist.

"Wir wollten eigentlich gerne einen extra Forscherraum für unsere Kita haben, doch es war klar: Die Stadt hat wenig Geld. Das geht nicht so einfach. Dann habe ich eine Doku über Tiny-Häuser gesehen und gedacht: Das ist es!" Ein Tiny House ist zwar teurer als ein Bauwagen, aber sehr viel günstiger als ein Anbau. "Außerdem fanden wir es gut, dass die Kinder zum Forschen die Kita auch verlassen können." Geboren war die MINT-Tiny-House-Idee. Bis zur Umsetzung vergingen dennoch ein paar Jahre.

Preisgelder aus Wettbewerben angespart

Melanie Naber steht vor dem Gerüst des Tiny House
© Kita Uphof
Kitaleiterin Melanie Naber verantwortet das Tiny-House-Projekt

Die "Kita-Spardose" war noch nicht voll genug, um dieses fahrbare Labor zu finanzieren, das rund 60.000 Euro kostet. Doch die Kita Uphof bekommt von allen Seiten Unterstützung für ihr Projekt. Finanziell, aber vor allem auch mit Rat und Tat.

"Uns ist es wichtig, dass die Kinder lernen, indem sie die Dinge erleben", sagt Melanie Naber. Für ihre Projekte und auch die Gesamtgestaltung der Kita haben sie und ihr Team bereits den Forschergeist-Wettbewerb der Stiftung "Haus der kleinen Forscher" und der Deutsche Telekom Stiftung gewonnen und den zweiten Platz beim Deutschen Kita-Preis belegt. Die Preisgelder flossen alle mit in die Finanzierung des Tiny House.

Ein großes soziales Projekt

"Aber eigentlich ist es ein großes soziales Projekt" sagt Melanie Naber lachend. Mehrere Unternehmen aus der Region haben finanziell unterstützt, andere mit Beratung, Zeit und Materialien. So spendete eine Firma umweltfreundliche Farben und Lacke. "Der Laborleiter hilft uns bei der Innenausstattung." Jeden Mittwoch darf eine Gruppe von Kita-Kindern dann den Baufortschritt in der großen Fertigungshalle der Firma "Tiny House Diekmann" begutachten. Stefan Diekmann erklärt den Kindern die Neuerungen, sie dürfen Holz schleifen und Bretter festschrauben. Zuletzt haben sich die Kinder mit bunten Bildern an den Innenwänden im Tiny-House verewigt.

Entworfen hatten das Tiny House die Erzieherinnen und Erzieher unter Berücksichtigung ihrer Bedarfe und mit Hilfe des Architekten der Firma Diekmann. Die Kinder haben sie begleitet, beraten und viele eigene Ideen mit eingebracht. "Es war ihnen zum Beispiel sehr wichtig, dass wir Wasser im Wagen haben", sagt die Kita-Leitung schmunzelnd. Dann gibt es eine Sitz- und Forscherecke mit Tischen auf Kinderaugenhöhe und im hinteren Bereich eine zweite Etage, um den Raum gut auszunutzen. Groß genug für eine Kita-Gruppe und kompakt genug, um damit in den Wald zu fahren.

MINT und Digitalisierung gehören zusammen

"Das war nämlich auch ein umwerfendes Argument: So ein Tiny House ist ja fahrbar", sagt Melanie Naber. Stefan Diekmann hat sich schon bereit erklärt, das Tiny-House-Forschungslabor für die Waldwochen zu bewegen. Ein großer Bildschirm wird dafür sorgen, dass die Kinder ihre Bilder und Entdeckungen aus dem Wald im Wagen noch einmal betrachten und mit anderen über ihre Entdeckungen sprechen können. "MINT und Digitalisierung – das gehört für uns zusammen und ich finde auch, das passt sehr gut zusammen. Wir arbeiten mit Tablets und digitalen Mikroskopen, die Kinder machen damit sehr wertvolle Entdeckungen", erklärt Naber.

Entdecken und forschen, Dinge neu betrachten und eigene Ideen entwickeln. Die Fortbildungen vom "Haus der kleinen Forscher" haben Einfluss auf Kinder und natürlich auch auf die Erwachsenen. Melanie Naber hat sich diese Herangehensweise zu eigen gemacht und setzt sie auch in Bezug auf ihre gesamte Einrichtung um. Und schon jetzt schmieden die Kinder mit den Erwachsenen weitere Pläne: Einer ist, mit dem MINT-Tiny-House ans Meer zu fahren, um dort Seesterne zu untersuchen.

Portrait von Mareike Mittelbach
Autor/in: Mareike Mittelbach

Ich bin Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in den Netzwerken bei der Stiftung "Haus der kleinen Forscher". Mein Lieblingsnetzwerk – das ganze große "Haus der kleinen Forscher" - verbindet Menschen mit einer großartigen pädagogischen Sicht auf die Kinder und die Welt. Ich bin ein riesiger Fan jedes begeisterten Pädagogen und jeder begeisterten Pädagogin und liebe es, all ihre spannenden Geschichten von Forschungs- und Entdeckungsreisen, großen und kleinen Erkenntnissen zu erzählen.

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