Mehr als Managen

Eine Frau steht an einem Flipchart und erklärt ihren Kolleginnen etwas.
© Steffen Kugler / Stiftung Haus der kleinen Forscher
Im Gespräch sein und das ganze Team einbinden: Auch das bedeutet Leadership.

Das Prinzip Leadership meint mehr als Teamführung. Kita-Leitungen können durch diese Technik alle im Team inspirieren. 

Die Kita-Leitung ist im System der frühkindlichen Bildung eine zentrale Figur. Leitungskräfte tragen die Verantwortung sowohl für die pädagogische Qualität der Kindertageseinrichtung als auch für deren Organisation. Das bedeutet, sie erstellen Dienst- und Finanzpläne, gestalten Kommunikationsstrukturen und dienen als Sprachrohr für Träger und Verwaltung. Zudem geben sie fachliche Impulse und leiten das pädagogische Personal an. Die Kita-Leitung bewegt sich an verschiedenen Schnittstellen zwischen pädagogischen Fachkräften, dem Träger, Eltern sowie Kooperationen.

Um diese Anforderungen zu bewältigen und den Erwartungen an die pädagogische Qualität von Kitas gerecht zu werden, haben Beraterinnen und Berater in den vergangenen Jahren Techniken aus der Wirtschaft in die Kita-Praxis eingeführt. Der Gedanke: Kitas sollten wie moderne Unternehmen funktionieren und wirtschaften. Klassische Managementechniken sind im Finanzbereich, in der Zusammenarbeit mit dem Träger oder in der Gestaltung von effizienten Arbeitsabläufen hilfreich und umsetzbar. Als pädagogische Einrichtung hat die Kita aber andere Ziele als ein Wirtschaftsunternehmen.

Den tieferen Sinn sehen

Leadership kann als Ergänzung zum Management in Kitas viel erreichen. Der Begriff Leadership kann mit Führung übersetzt werden, meint aber viel mehr. Während unter Führung im Allgemeinen verstanden wird, dass eine Person vorgibt, was getan werden soll, gelten Leader als Vorbilder. Sie begeistern und unterstützen das ganze Team und befähigen jedes einzelne Team-Mitglied zu wachsen, kompetenter und zufriedener zu werden. Leitungen sollten daher ihren Mitarbeitenden gut zuhören, deren Individualität schätzen, einen tieferen Sinn in ihrer Arbeit sehen und diesen auch im Team wecken.

Im Gegensatz zu Management geht es bei Leadership nicht nur um Effizienz bei Arbeitsabläufen, sondern auch um die Zusammenarbeit mit Menschen. Das Team bestimmt und erreicht seine Ziele gemeinsam. Damit die Mitarbeitenden gut zusammenarbeiten, müssen sie sich als Team fühlen, sich gegenseitig wertschätzen und unterstützen, ein gemeinsames Verständnis von ihrer Arbeit haben und geteilte Werte vertreten. Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Eltern wird von einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit im Team getragen. Eine gemeinsame Vision guter Pädagogik stärkt das Teamwork. In all diesen Feldern stößt Management als Führungsstil an seine Grenzen, während sie bei Leadership im Zentrum stehen. Wenn sich eine Kita-Leitung nur als Managerin einer Organisation versteht, wird sie ihrer Führungsrolle nur zum Teil gerecht. Der Leadership-Ansatz passt dagegen zu dem, was Kita-Leitungen brauchen, um ihrer Rolle in einer pädagogischen Einrichtung voll auszufüllen.

Dem Team den Rücken freihalten

Kita-Leiterin Katrin Stampf der Kita Spatzennest im baden-württembergischen Gerstetten, beschreibt, wie sie Leadership lebt. Für sie stehen Wertschätzung und Miteinander im Vordergrund: "Als Erzieherin waren für mich die Kinder klar im Vordergrund. Seitdem ich als Leitung arbeite, hat sich meine Sichtweise verschoben. An erster Stelle stehen jetzt meine Erzieherinnen und wenn es denen gut geht, dann geht es den Kindern automatisch auch gut." An zweiter Stelle stehen für sie die Eltern. "Sie sollen mit unserem Angebot zufrieden sein. Ich halte meinem Team den Rücken frei, so dass sie für die Arbeit am Kind genügend Zeit haben."

Wenn es den Erzieherinnen gut geht, dann geht es den Kindern automatisch auch gut.

Katrin Stampf, Kitaleitung

Das beschreibt, was Kita-Leitung im Sinne von Leadership bedeutet: die einzelnen Mitarbeitenden zu kennen und zu befähigen, ihre Stärken einzubringen und weiterzuentwickeln und das gemeinsam im Team, welches individuelle Entwicklung mitträgt und sich gemeinsam entwickeln möchte. Dabei ist für die Mitarbeitenden klar, welche Aufgaben die Leitung hat und wo sie sich selbst einbringen können und sollen. Ein Team, das so arbeitet, schafft ein positives Arbeitsklima, in dem Menschen gerne arbeiten und in dem sich Kinder wohlfühlen und sich gut entwickeln. Bereits im Jahr 2007 hat die Studie "Effective Leadership in the Early Years Sector" bestätigt: Arbeiten Leitungskräfte im Sinne von Leadership mit dem Team erfolgreich an einer einrichtungsspezifischen Vision, einem gemeinsamen pädagogischen Verständnis und gemeinsamen Zielen, entwickeln sich Kinder kognitiv und sozial-emotional besonders gut.

Leadership bedeutet aber auch Handlungsfähigkeit. Ein Team, das in diesem Sinne zusammenarbeitet, ist Anforderungen von außen und ungeplanten Veränderungen nicht schutzlos ausgeliefert, sondern in der Lage, selbst zu gestalten und auszuwählen, welche Anforderungen es als sinnvoll ansieht und wie sie diesen begegnet.

Leadership im Kita-Alltag

Die Einführung von Leadership im Kita-Alltag ist herausfordernd. Folgende drei Leadership-Tipps eignen sich, um den Ansatz auszuprobieren:

  • Die Methode der wertschätzenden Erkundung zeigt, dass es hilfreich ist, sich im Team ganz auf die Stärken zu konzentrieren. Das Team sammelt zuerst positive Erfahrungen und Erfolge, die sie zusammen erlebt haben. Davon ausgehend entwickeln alle gemeinsam eine Zukunftsvision, die bisherige positive Erfahrungen einbezieht. Dabei gehen sie von der Frage aus: Wie sieht unsere Zukunft aus, wenn wir weiter solche Erfolgserlebnisse haben? Schließlich entwickeln die einen Plan, welche Schritte konkret folgen sollen, und setzen diesen um.
     
  • Mit der Kanban-Methode behält das Team den Überblick über aktuelle Aufgaben und darüber, wer an was arbeitet. Dazu hängt man ein Plakat mit drei Spalten auf: Aufgabe, Bearbeitung, erledigt. In der Spalte Aufgabe sammelt das Team auf bunten Zetteln alles, was noch ansteht. Jede Farbe steht für ein Teammitglied und jedes Teammitglied klebt dort Zettel mit seinen Aufgaben auf. Die Zettel wandern eine Spalte weiter, wenn etwas in Bearbeitung oder erledigt ist. So sehen alle, wer gerade mit was beschäftigt ist.
     
  • Einander zu sagen, wofür man dankbar ist und was man aneinander schätzt, ist motivierend, schafft ein wertschätzendes Teamklima und hilft auch in schwierigen Situationen, einen positiven Blick zu behalten. Kleine Post- oder Karteikarten sind eine gute Möglichkeit, dies im Alltag zu tun: Die ausgefüllten Karten legt man in die Postfächer, die Fachkräfte lesen sie dann in einer Runde vor, sammeln sie an einer Wand oder stecken sie dem Gegenüber einfach zu.

Der Artikel ist erschienen in "Meine Kita", didacta Magazin für frühe Bildung, Ausgabe 04/2022.

Portrait von Eva Weyer
Autor/in: Eva Weyer

Für mich ist forschendes und entdeckendes Lernen eine Leidenschaft. Seit meinem Studium der Pädagogik beschäftige ich mich damit, wie man institutionalisiertes Lernen besser machen kann – spannender, anwendbarer und mit gleichen Chancen für alle. Ich forsche und lerne selbst gerne und deswegen passt die Arbeit in der Stiftung "Haus der kleinen Forscher" gut zu mir. Im Team Forschung und Entwicklung bin ich für den Austausch mit Fachleuten aus Wissenschaft und Praxis zuständig.

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