Licht aus! – Kita ohne Strom

Kinderhand drückt Lichtschalter
© Licht aus! iStock.com/MagMos

Mehrere Monate hatten sich die Kinder und Erzieherinnen der KiTa Schatztruhe auf diesen Tag vorbereitet. Sie experimentierten, erfanden Dinge und lernten viel über Strom. Dann wurde der Strom für einen Tag abgestellt.

Ein Tag im Februar dieses Jahres. Etwa dreißig Kinder sitzen in der Turnhalle der KiTa Schatztruhe in Aalen-Hammerstadt auf dem Boden. Plötzlich geht das Licht aus. Die Kinder drücken den Lichtschalter, aber alles bleibt dunkel.
Es ist ein besonderer Tag für die Kita: ein Tag ohne Strom – und der finale Höhepunkt eines großen Forscherprojekts. Über fünf Monate hinweg hatten die Erzieherinnen Liane Ritz und Nicole Riedelsheimer die Mädchen und Jungen schrittweise mit vielen Ideen zum Entdecken und Erforschen an das Thema Strom und Energie herangeführt – darunter auch Experimente, wie Strom gespart oder elektrische Geräte ersetzt werden könnten. Sich mit dem Thema intensiver zu beschäftigen, lag nahe: Die "Schatztruhe" ist Betriebskita der Firma Telenot Electronic, die Alarm- und Brandmeldeanlagen für Häuser und Wohnungen herstellt. Die Mitarbeitenden konnten den Kindern spannende Dinge im Umgang mit Strom zeigen und ausprobieren lassen. Jetzt waren alle sehr gespannt darauf, wie gut ein Kita-Tag ohne Strom funktioniert.

Bevor in der Kita der Strom abgeschaltet wurde, war bereits viel passiert

Zu Beginn des Projekts stellten die Kinder mit ihren Erzieherinnen ein Plakat mit Regeln für den sicheren Umgang mit Strom und elektrischen Geräten auf. Dann schickten die Erzieherinnen die Kinder auf die Suche: Sie sollten alle Gegenstände in der Kita, die nur mit Strom funktionieren, mit bunten Klebepunkten markieren. Vielen Kindern fiel das nicht schwer, aber manchmal mussten sie nachforschen: Braucht die Wanduhr Strom? Wo muss man da nachsehen? Das gleiche fragten sich die Kinder bei der Toilettenspülung. Die Kinder suchten auch zuhause mit ihren Eltern weiter. Dort sollten sie alle elektrischen Geräte finden und fotografieren, die es nur zuhause und nicht in der Kita gibt. Was davon braucht einen Akku, eine Batterie oder Steckdose? Später zählten die Kinder im ganzen Gebäude der Kita die erstaunliche Menge an Steckdosen, Lichtschaltern und Bewegungsmeldern. Die Ergebnisse dokumentierten die Mädchen und Jungen in einer Tabelle.
 

Kinderhände mit dickem Stromkabel
© KiTa Schatztruhe, Aalen
Kabel fast so breit wie eine Hand

Auch die jüngsten Kinder haben schnell gemerkt, dass Strom ein Kabel braucht. Wo aber findet man das Kabel beim Lichtschalter? Die Kinder bauten zuerst Lichtschalter, die der Betrieb bereitstellte, vorsichtig auseinander, aber ein Kabel entdeckten sie darin nicht. Sie hatten die Vermutung, dass sich die Kabel in der Wand befinden. Nur wo genau? Sie versuchten es zunächst mit Hören und Fühlen. Dann baten sie den Hausmeister um Hilfe, der den Kindern einen Leitungssucher mitbrachte, mit dem sie die Kabel in den Wänden aufspüren konnten. Einmal kam ein Elektriker mit einer Handvoll Kabel zu Besuch. Bei solchen "Highlights der Woche" ging es im Projekt oft praktisch zur Sache. Der Elektriker packte ein Stück eines richtig dicken Kabels für große Gebäude, ein Telefonkabel für Straßenleitungen, Glasfaserkabel fürs Internet oder eher dünne Kabel für Lichtschalter auf den Boden. Die Kinder waren erstaunt, wie diese Kabel eigentlich von innen aussehen. Die Auszubildenden des Betriebs halfen den Kindern später auch, Stromkreise zu erkunden und selbst zu bauen. Bei welchen Verkabelungen ertönt die kleine Sirene? Oder geht der Ventilator an?

Stromausfall: Was funktioniert an so einem Tag eigentlich nicht?

Kitajunge mit Teelicht-Ofen
© KiTa Schatztruhe, Aalen
Funktioniert: selbst gebauter Teelicht-Ofen

Damit der Tag ohne Strom kein Schreckenstag wird, probierten die Kinder im Vorfeld ein paar Dinge aus: Was funktioniert an so einem Tag eigentlich nicht? Was könnte man ohne Strom anders machen? Als es so weit war, waren alle bestens vorbereitet. Zum Beispiel wurde das Mittagessen, das im Wärmebehälter angeliefert und bei Ankunft normalerweise elektrisch warm gehalten wird, in Decken gepackt, damit es nicht auskühlt. Die Kinder hatten Wochen zuvor in einem ausführlichen Experiment verschiedene Dämmmaterialien ausprobiert, die Temperatur des Essens gemessen, notiert und verglichen. Wolldecken waren ihre beste Lösung – das klappte besser als Alufolie. Die Kinder erfanden außerdem einen funktionierenden Teelichter-Wasserkessel, bauten einen Teelicht-Ofen, einen Kühlschrank aus Tontöpfen, Dosentelefone und verschiedene Lichtquellen ohne Strom. Ein wichtiges Gerät fehlte noch: die Klingel am Eingang der Kita. Auch dafür fanden die kreativen Forscherinnen und Forscher nach mehreren Versuchen eine Lösung: eine Kuhglocke an einem großen Ständer, die man mit einer langen Schnur durchs Fenster gut hörbar von draußen läuten konnte. Der Tag ohne Strom begann so mit einem wunderschönen Klang – und all die Ideen der Kinder fanden einen Platz. 

Was passiert, "wenn der Strom leer ist"?

Die Erzieherinnen gaben den Kindern im Laufe des Projekts viel Spielraum fürs Selbstentdecken, Ausprobieren und Erfinden. Heute, so sagen Liane Ritz und Nicole Riedelsheimer, seien alle viel aufmerksamer und sparsamer im Umgang mit Strom. Den Kindern ist klar geworden, dass wir jeden Tag viel Strom verbrauchen. Sie machen nun öfter von selbst das Licht aus. Beim Essen achten sie darauf, möglichst wenig Geschirr zu verschmutzen. Oft sind es schon Kleinigkeiten, die etwas ausmachen. Und die Entdeckungsreise ist natürlich nicht zu Ende. Aktuell steht ein Neubau auf dem Firmengelände im Fokus der Kinder: Auf der interessanten Baustelle staunen sie regelmäßig, wo überall Kabel verlegt werden. Auch die Frage, was passiert, „wenn der Strom leer ist“, beschäftigt die Kinder weiterhin. Darum möchten die Erzieherinnen demnächst auch den Quellen des Stroms genauer nachgehen – ob bei den Solarplatten auf dem Dach oder den Windrädern in der Nähe. Wahrscheinlich bauen sie in der Kita sogar eine eigene Stromquelle: ein Wasserrad.

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Fortbildungen in Aalen besuchen

Die KiTa Schatztruhe wurde 2022 u. a. für ihr Projekt "Tag ohne Strom" als "Haus der kleinen Forscher" zertifiziert. Die Einrichtung wird betreut vom Mitmachmuseum explorhino, das seit 2009 Netzwerkpartner unserer Stiftung ist. explorhino bietet unter dem Namen Netzwerk Ostwürttemberg an der Hochschule Aalen an zwei Standorten (Aalen, Heidenheim) "Haus der kleinen Forscher"-Fortbildungen an, sowohl in Präsenz als auch online. Mehr über das Netzwerk und seine Angebote

Portrait von Susanne Hein
Autor/in: Susanne Hein

Hallo, ich bin Kommunikationsreferentin im "Haus der kleinen Forscher" und betreue schwerpunktmäßig den Bereich frühkindliche Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).

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