Hochwasserhilfe von Kita-Kindern für Kita-Kinder

Ein Kind mischt Seife in einer Glasschale
© Katrin Klein
Die Kinder stellten selbst Seife her

Als die Jahrhundertflut das Ahrtal überschwemmte, entschied die Kita St. Stephanus in Lambsheim, die Einnahmen ihres Herbstmarkts für einen guten Zweck einzusetzen. Die Begeisterung erfasste Kinder wie Erwachsene gleichermaßen und das Projekt wurde größer als ursprünglich erwartet.

Katrin Klein musste sofort an das Jahr 2013 denken. Damals hatte es ein großes Elbe-Hochwasser gegeben. Die aus Sachsen stammende Kita-Leiterin arbeitete im rheinland-pfälzischen Bad Dürkheim. Als der Förderverein der Einrichtung für die betroffene Region Sachspenden gesammelt hatte, wurde Klein gebeten, diese bei einer Reise in die alte Heimat zu übergeben. "Man konnte sehen, wie hoch das Wasser gestanden hatte", erzählt sie. Das Erlebnis habe sie geprägt.

Daher sei für sie beim geografisch näheren Ahr-Hochwasser sofort klar gewesen, dass sie erneut helfen wollte. Inzwischen leitet Klein die katholische Kita St. Stephanus in Lambsheim, einer 7000-Einwohner-Gemeinde nicht weit von Frankenthal. Sie habe die Flutkatastrophe mit den Mädchen und Jungen besprochen und Bilder von einer Kita in Dernau im Kreis Ahrweiler gezeigt, deren Gebäude von den Wassermassen zerstört worden war. "Als sie die Bilder gesehen haben, haben einige Kinder begonnen zu erzählen, dass sie schon zu Hause davon gehört hatten", sagt sie.

Sachspenden als Sackgasse

Fünf Kita-Kinder stehen um eine Kiste mit Pflaumen herum
© Katrin Klein
Bäume voller reifer Pflaumen warteten auf die Kinder, um geerntet zu werden.

Laut Klein sind es die 44 Kinder in der St.-Stephanus-Kita gewohnt, gute Zwecke zu unterstützen. Zum Beispiel hätten die Kinder erst kurz zuvor einem Tierheim in der Nähe geholfen. Der Plan, alte Spielzeuge als Sachspenden zu sammeln, hätte sich aber rasch erledigt – dass diese nicht gebraucht würden, sei bei einer Recherche schnell klar geworden. Dann aber kam der Gedanke an den Herbstmarkt. "Wir kochen ja jedes Jahr Marmelade", sagt Klein. „Da dachten wir uns: Die könnte man doch auch zugunsten der Kita in Dernau verkaufen."

In den kommenden Wochen waren die Kita-Kinder und das Team schwer beschäftigt. Nicht nur Marmelade stellten sie her, sondern auch Holunderblütensirup, Badekugeln und Seifen. Die Jüngsten malten Gläser an, die als Windlichter verkauft wurden. Eine der Hauswirtschaftsmitarbeiterinnen der Kita lud die Mädchen und Jungen in ihren Garten ein, in dem Bäume voller reifer Pflaumen warteten. "Die Kinder durften in die Bäume klettern, die Pflaumen in Körbchen sammeln und anschließend entsteinen. Das fanden sie natürlich toll", erinnert sich Katrin Klein. Das Küchenteam musste Gelierzucker nachkaufen, um alle Früchte einzukochen.

Geld sortieren macht Spaß

Der Verkauf der Kostbarkeiten startete lange vor dem Herbstmarkt – an Verkaufsständen in der Kita und der angrenzenden Kirche. In allen Kitas des Orts hingen Plakate, die regionale Zeitung berichtete. Insgesamt kamen 1.200 Euro zusammen.

Die Mädchen und Jungen hätten laut Kita-Leiterin keine Vorstellung davon, wie viel Geld sie gesammelt hätten. Es hätte den Größeren aber viel Spaß gemacht, das Geld zu sortieren und zu zählen. Dabei hätten sich auch Gelegenheiten ergeben, über den Wert der einzelnen Münzen zu sprechen und den Kindern zu verdeutlichen, dass alles Geld gebraucht wird.

Die Kita St. Johannes der Apostel in Dernau, die derzeit in Übergangsräumen untergebracht ist, hat inzwischen die Aussicht auf ein Container-Gebäude im Frühjahr und will mit dem Spendengeld einen Teil der Raumausstattung finanzieren. "Mit Menschen, die uns zeigen, dass wir nicht allein sind, können wir diese Situation schaffen, in der so viel zerstört worden ist", sagt die Kita-Leiterin Margot Hess. "Dass hier gerade eine Kollegin zeigt: Wir sind für euch da – das finde ich fantastisch."

Forscht mit!

Cover von "Forscht mit!" Ausgabe 2/2022. Ein Mädchen stapelt Centmünzen auf einem Tisch
© Stiftung "Haus der kleinen Forscher"
Kohle, Kröten und Moneten

Dieses Interview erschien in Ausgabe 2/2022 unserer Zeitschrift "Forscht mit!". Schnöder Mammon, Knete, Mäuse, Kies – es gibt unzählige Begriffe für das, worum sich diese Ausgabe dreht: das liebe Geld. Wir können es verdienen, ausgeben und sparen. Es lässt sich auch wunderbar anhäufen, scheffeln und darin schwimmen, aber ebenso verpulvern oder verbrennen. Zu diesem so alltäglichen Thema kann natürlich auch vortrefflich mit Kindern geforscht werden.

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Autor/in: Alexander Matzkeit

Alexander Matzkeit ist Referent für Kommunikation.

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