"Der Gewinn? Tolle Fortbildungen und begeisterte Kinder"

Dr. Hans-Peter Schmidt von der Handwerkskammer Leipzig überreicht einer Erzieherin im FRÖBEL-Kindergarten "Am Elsterbecken" die Plakette zur Zertifizierung zum "Haus der kleinen Forscher".
© FRÖBEL e.V.
Dr. Hans-Peter Schmidt von der Handwerkskammer Leipzig überreicht im FRÖBEL-Kindergarten "Am Elsterbecken" die Plakette zur Zertifizierung zum "Haus der kleinen Forscher".

Jede neue FRÖBEL-Kita begibt sich in den Zertifizierungsprozess zum "Haus der kleinen Forscher". FRÖBEL-Geschäftsführer Stefan Spieker erläutert im Interview, warum ihm die Zertifizierung aller Kitas so wichtig ist und welche Vorteile er darin sieht.
 

Über 160 FRÖBEL-Kindergärten und -Horte in Deutschland sind mittlerweile ein zertifiziertes "Haus der kleinen Forscher". Das ist ziemlich beeindruckend. Warum ist Ihnen und auch den pädagogischen Fach- und Leitungskräften die Zertifizierung so wichtig?

Portrait von Stefan Spieker
© FRÖBEL e.V./Bettina Straub
Stefan Spieker

Es gibt zwei wirklich starke Beweggründe, die alle Mitarbeitenden immer wieder neu motivieren können: Zum einen die Erkenntnis, dass bei der "Haus der kleinen Forscher"-Zertifizierung auch wichtige Nachhaltigkeitsthemen – unter anderem Klimaschutz – behandelt werden. Das hat die intrinsische Motivation vieler Kolleginnen und Kollegen erhöht, die sich grundsätzlich sehr für Themen des Klimaschutzes engagieren.

Zum anderen ist es auch wichtig, dass es sich bei der Umsetzung der Zertifizierung nicht um eine zusätzliche Aufgabe handelt. Im Gegenteil – die Fortbildungen und Materialien der Stiftung sind eine gute Hilfe, um die für Kitas verpflichtenden Themen der Landesbildungspläne umzusetzen. Als das allen Beteiligten klar wurde, war die Motivation zur Teilnahme an der Zertifizierung deutlich höher als vorher.

Welche Strukturen haben Sie geschaffen, damit Zeit für diesen wichtigen aber auch aufwändigen Prozess war?

Mit der Pandemie und dem mobilen Arbeiten in der ersten Welle haben wir die Chance genutzt und die Vollzertifizierung fast geschafft. Es stehen nur noch die Einrichtungen aus, die in den letzten Monaten neu eröffnet wurden, von denen sich aber die meisten bereits im Zertifizierungsprozess befinden.

Natürlich ist der Zertifizierungsprozess mit Aufwand für Leitung und Fachkräfte verbunden, aber unsere Teams sehen auch den Gewinn: tolle Fortbildungen, spannende Materialien und begeisterte Kinder. Und wir unterstützen den Prozess trägerseitig durch eine sehr gute fachliche Infrastruktur – dazu gehört zum Beispiel unser engmaschiges Netz an Fachberatungen.

Wie hat denn alles angefangen mit FRÖBEL und dem "Haus der kleinen Forscher"?

Wir arbeiten schon über ein Jahrzehnt mit der Stiftung "Haus der kleinen Forscher" zusammen. Ziel war von Beginn an, eine Zertifizierung aller Einrichtungen zu schaffen. Etwa die Hälfte unserer Einrichtungen zertifizierte sich ganz schnell, weil es im Team Kolleginnen und Kollegen gab, die sich bereits stark mit den MINT-Themen (MINT steht kurz für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, Anm. d. Red.) identifizierten.

Diese Vorreiterinnen und Vorreiter zogen die teils noch weniger affinen Fachkräfte in den Teams mit. Bei anderen Einrichtungen war es ein längerer Prozess, der aber durch zwei Faktoren entscheidend befördert wurde: Da war zum einen der ansteckende Elan und die Ermutigung durch die pädagogischen Fachkräfte aus bereits zertifizierten Einrichtungen. Außerdem wurde allen spätestens mit dem Einzug der BNE-Themen (Bildung für nachhaltige Entwicklung, Anm. d. Red.) in die frühe Bildung immer deutlicher, wie wichtig und gewinnbringend forschendes Lernen ist – und dass der Umgang mit Umweltthemen und mit MINT-Themen eigentlich identisch ist.

Sich selbst als Begleitende und Mitentdeckende zu begreifen, ist der Schlüssel, um mit den Kindern gemeinsam die Welt zu erkunden.

Stefan Spieker, FRÖBEL-Geschäftsführer

Haben Sie ein Beispiel aus der täglichen Arbeit in den Einrichtungen, wie sich die MINT-Fortbildungen bemerkbar machen? Was ändert sich bei den Erzieherinnen und Erziehern – oder gar bei den Kindern?

Pädagogische Fachkräfte stehen dem Thema MINT manchmal etwas skeptisch gegenüber. Eigene Erfahrungen aus dem Physik-, Chemie- oder Biologieunterricht spielen da sicherlich eine Rolle. Uns wird jedoch von Fachkräften nach der Teilnahme an einem Seminar vom "Haus der kleinen Forscher" häufig zurückgemeldet, wie viel Spaß sie hatten, mit den Materialien zu experimentieren und in den Austausch dazu zu gehen. Nach dem ersten Fortbildungsbesuch folgt dann oft schnell der zweite und dritte.

Die Begeisterung, die die Fachkräfte aus den Fortbildungen mitnehmen, übertragen sie dann in der Praxis auf die Kinder. Das Entdecken und Forschen wird viel bewusster wahrgenommen und umgesetzt. Keine Scheu davor zu haben, mit den Kindern gemeinsam Phänomenen auf den Grund zu gehen, ohne selbst immer gleich eine Antwort auf alle Fragen der Kinder zu haben, spielt dabei eine zentrale Rolle. Sich selbst als Begleitende und Mitentdeckende zu begreifen, ist der Schlüssel, um mit den Kindern gemeinsam die Welt zu erkunden. Kinder erleben dann ein Bildungssetting, in dem ihre Fragen gehört und ihre Neugierde gefördert wird. Somit wirken MINT-Fortbildungen sowohl auf die Fachkräfte als auch auf die Kinder bereichernd.

Wie feiern Sie die erfolgreichen Zertifizierungen? Wie fühlen sich die pädagogischen Fachkräfte, wenn sie die Plakette in den Händen halten?

Mitarbeiterinnen des FRÖBEL-Hortes "MITTENDRIN" erhalten von den Netzwerkpartnern die Plakette zur Zertifizierung zum "Haus der kleinen Forscher" überreicht.
© FRÖBEL e.V.
Zertifizierungsfeier im FRÖBEL-Hort "MITTENDRIN" in Senftenberg; v.l.n.r: Cordula Winkler (Hortleiterin), Maik Bethge (IHK Cottbus), Rika Zschornack (DKB), Andrea Tauschke (Koordinatorin Hort), Mita Roß (Lokales Netzwerk Dahme-Spreewald)

Die gesamte Einrichtung kann stolz darauf sein, wenn sie zu einem "Haus der kleinen Forscher" zertifiziert wurde, denn neben den Fachkräften sind es ja vor allem die Kinder, die als kleine Forscherinnen und Forscher täglich ihre Fragen stellen und gemeinsam nach Antworten suchen.

Der Zertifizierungsprozess ist sehr anspruchsvoll, er erfordert Zeit und strukturierte Planung. Daher fällt den Teams immer ein großer Stein vom Herzen, wenn die positive Nachricht überbracht wird: Wenn die E-Mail der Stiftung im Postfach der Einrichtung mit der Information aufleuchtet, dass die Zertifizierung geschafft ist und sie sich ab sofort – oder weiterhin – ein "Haus der kleinen Forscher" nennen darf, ist die Freude in unseren Teams immer sehr groß.

Viele Einrichtungen verbinden das Anbringen der Zertifizierungsplakette mit einer kleinen oder großen Feierlichkeit gemeinsam mit den Kindern und ihren Familien. Natürlich wird an diesem Tag wie auch an jedem anderen gemeinsam mit den Kindern etwas Neues entdeckt.

Und was löst die Zertifizierung so vieler Einrichtungen bei Ihnen persönlich aus?

Ich bin sehr stolz auf das Engagement unserer Kolleginnen und Kollegen und den gemeinsamen Erfolg. Man muss dabei ausdrücklich erwähnen, dass der große Schub für die Zertifizierung in der Corona-Zeit kam: Unsere pädagogischen Fachkräfte haben vor allem die Zeit des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 genutzt, aus dem mobilen Arbeiten heraus die vielfältigen digitalen Fortbildungsangebote der Stiftung wahrzunehmen.

Über das ganze Jahr nahmen sie an deutlich über 1.000 Fortbildungen teil. Einen ganz großen Dank an unsere Fachkräfte für dieses tolle Engagement!

Sie möchten auch ein “Haus der kleinen Forscher“ werden?

Die Zertifizierung als "Haus der kleinen Forscher" ist ein bekanntes, wissenschaftlich fundiertes und für Einrichtungen kostenfreies Verfahren zur Erfassung und Steigerung der pädagogischen Qualität bei der Umsetzung von guter früher MINT-Bildung. Mit einer Zertifizierung bekommen Sie praktisches Feedback zu Ihrer täglichen Arbeit und können mit der Plakette Ihr Engagement nach außen zeigen!

Erfahren Sie, welche Voraussetzungen Ihre Einrichtung erfüllen muss, um sich für eine Zertifizierung bewerben zu können und wie der Zertifizierungsprozess konkret abläuft!

Ein "Haus der kleinen Forscher" werden
Portrait von Mareike Mittelbach
Autor/in: Mareike Mittelbach

Ich bin Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in den Netzwerken bei der Stiftung "Haus der kleinen Forscher". Mein Lieblingsnetzwerk – das ganze große "Haus der kleinen Forscher" - verbindet Menschen mit einer großartigen pädagogischen Sicht auf die Kinder und die Welt. Ich bin ein riesiger Fan jedes begeisterten Pädagogen und jeder begeisterten Pädagogin und liebe es, all ihre spannenden Geschichten von Forschungs- und Entdeckungsreisen, großen und kleinen Erkenntnissen zu erzählen.

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