Teambuilding in Kitas: Das "wir" ist ein Team

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Die Teamentwicklung ist eine wichtige Aufgabe der Kita-Leitung und ein Eckpfeiler der Kita-Entwicklung. Denn die pädagogische Qualität einer Kita hängt auch davon ab, wie gut das Team zusammenarbeitet. Erfolgreiche Teamentwicklung bedeutet vor allem eins: Wertschätzung.

Sich gut zu verstehen, heißt nicht automatisch, auch gut miteinander arbeiten zu können. Gemeinsame Werte und eine gemeinsame Haltung bei der Zusammenarbeit zu finden, ist ebenso eine Herausforderung wie gut funktionierende Prozesse einzurichten. Doch davon, wie gut ein Team zusammenarbeitet, hängt einiges ab – nicht zuletzt die pädagogische Qualität einer Kita. Teamentwicklung ist daher das Herzstück gelebter Organisationsentwicklung in Kitas.

In Zeiten von stetig wachsendem Fachkräftemangel in Kitas, hat Teamentwicklung auch einen ganz praktischen Nutzen: Sie hilft, die pädagogischen Fachkräfte in Kitas zu halten. Denn fühlen sich diese gesehen, wertgeschätzt und werden sie in ihrer Entwicklung gefördert, steigert es die pädagogische Qualität in einer Kita und auch die Arbeitszufriedenheit ihrer Mitarbeitenden.

Dreh- und Angelpunkt ist hier die Kita-Leitung. Wenn es ihr gelingt, gemeinsam mit ihrem Team eine Vision für ihre Einrichtung zu entwickeln, Lerngemeinschaften zu initiieren und zu begleiten, individuelle Kompetenzen zu fördern und ein gutes Klima zu schaffen, motiviert sie ihre Mitarbeitenden, sich im praktischen pädagogischen Alltag fachlich weiterzuentwickeln. Dies wiederum erhöht die Bindung an die Einrichtung. 

Wer bin ich? – Sein Team kennen

Eine Grundvoraussetzung für erfolgreiche Teamentwicklung: Eine Leitung, die weiß, wie ihr Team tickt. Wer hat welche Kompetenzen? Wer begeistert sich für welches Thema? Wer braucht was? Wichtige Fragen, die sich Kita-Leitungen aktiv stellen sollten.

Eine Möglichkeit, sich mit seinem Team zu beschäftigen, ist, sich die Teamrollen nach Belbin anzuschauen. Der britische Psychologe entwickelte bereits in den 1970er Jahren neun Rollen, die sich mit ihren Persönlichkeitsprofilen, mit ihren Stärken und Schwächen gegenseitig beeinflussen. Nun muss man sich nicht streng an ein solches Modell halten, das durchaus auch Schwächen hat. Trotzdem kann es interessant sein, ob die Mitglieder eines Teams verschiedene Rollen einnehmen oder ob ein Team beispielsweise mehrheitlich aus "Beobachtern", "Machern" oder "Erfindern" besteht.

Offene Atmosphäre für neue Impulse schaffen

Impulse aus Fortbildungen oder neue Ideen können schnell im Alltagsstress untergehen, obwohl diese oft die gesamte Kita bereichern können. Durch eine offene Atmosphäre und Raum für Gespräche können Leitungen bewusst den Fokus auf neue Impulse legen. Zum Beispiel können diese regelmäßig in Teamsitzungen thematisiert und natürlich von allen Teammitgliedern eingebracht werden.

Teamsitzungen müssen dabei nicht immer gleich ablaufen – und sie liegen nicht nur in der Hand der Kita-Leitung. Vorbereitung, Moderation, Protokoll, die Zeit im Blick zu behalten oder alle beim Warm-up in Bewegung zu bringen, all das können Teammitglieder abwechselnd übernehmen. Bringen sich Kleinteams gegenseitig auf den neuesten Stand, dann am besten in jeweils maximal zwei bis drei Minuten. Anschließend berichtet die Leitungskraft allgemeine Neuigkeiten, zum Beispiel vom Träger. Geht es um Fachthemen, dann sollten möglichst bald die folgenden zwei Fragen beantwortet sein: Warum ist das Thema relevant und welchen Nutzen hat es für uns?

Und natürlich sind kreative Einheiten erlaubt und erwünscht: Ansprechend und ordentlich präsentierte Tische mit Materialien laden zum kreativen und freien Entdecken ein. Die so genannten Materialbuffets sind eine gute Möglichkeit, wenn ein neues Thema vorgestellt und das Team inspiriert werden soll.

Freiräume schaffen als Zeichen der Wertschätzung

In einem vollen Alltag Teamsitzungen und Teamtage zu ermöglichen, trägt außerdem dazu bei, Mitarbeitenden ein Gefühl der Wertschätzung zu geben. Einen ähnlichen Effekt gibt es, wenn sie nicht um jede Fortbildung ringen müssen, sondern ihre Kita-Leitung ihnen solche Möglichkeiten zur Weiterentwicklung aktiv anbietet. In einem oft von Personalmangel geprägten Arbeitsalltag sind Fortbildungen häufig das erste, was nicht mehr geht. Sie zu ermöglichen signalisiert den Mitarbeitenden: "Ich erkenne eure Kompetenzen und Leistungen und möchte sie fördern und wertschätzen."

Ebenfalls ein Zeichen der Wertschätzung ist, einzelnen Teammitgliedern bestimmte Aufgaben und Projekte zu übertragen. Oder auch einer Fachkraft den Raum zu geben, eigene Ideen oder ein Thema aus einer Fortbildung praktisch umzusetzen. Die Leitungskraft sagt damit: „Du bist hier die Expertin bzw. der Experte. Du kannst das in der Kita etablieren. Ich vertraue dir.“ Ein Projekt zu übertragen, bedeutet allerdings nicht, die Fachkraft damit allein zu lassen. Stattdessen ist die Leitungskraft eine Art Reisebegleitung. Das beginnt schon bei der Planung: Was wollen wir erreichen? Wie passt das zum Kita-Alltag und zur Jahresplanung? Wer kann was wann umsetzen? Was braucht die Fachkraft? Fach- und Leitungskraft beantworten diese und weitere Fragen gemeinsam und halten ihre Ergebnisse im besten Fall schriftlich fest.

Wo Menschen Neues ausprobieren, wird nicht immer alles glatt und ohne Fehler ablaufen. Muss es auch nicht. Denn auch das gehört zum Lernen dazu. Wichtig ist, nicht den Verursacher oder die Verursacherin eines Fehlers zu betrachten, sondern die Ursache zu reflektieren. Ein wichtiger Unterschied. Vielleicht ist es ein Prozess, der optimiert werden kann. Vielleicht war es aber auch eine Idee, die am Ende nicht zur Kita und ihrer Konzeption passt.

Konstruktives Feedback und wertschätzende Erkundung

Herausforderungen in der Kita-Entwicklung lassen sich leichter meistern, wenn Kita-Leitung und Fachkraft im Gespräch bleiben und sich gegenseitiges Feedback geben. Konstruktives Feedback bezieht sich dabei idealerweise auf konkrete Situationen, wird zeitnah gegeben und beschreibt die eigene Wahrnehmung, ohne schon etwas zu bewerten. Es kann die Dinge außerdem leichter machen, wenn man zunächst eine positive Rückmeldung gibt, bevor man sich schwierigeren Themen zuwendet.

Sich auf Stärken und Erfolge konzentrieren: Darum geht es auch bei der sogenannten wertschätzenden Erkundung. Bei dieser Methode geht es darum, auf der Basis von positiven Erfahrungen in der Vergangenheit eine Vision für die Zukunft zu entwickeln. Die wertschätzende Erkundung kommt dann zum Einsatz, wenn ein Team mit einem gemeinsamen Ziel an einem komplexen Problem arbeitet und sich dabei auch das Verhältnis der Teammitglieder untereinander verbessern soll.

Die wertschätzende Erkundung durchläuft vier Phasen:

  1. Entdecken, was Gutes da ist: Das Team entdeckt Stärken, Kompetenzen und Erfolge im Alltag.
  2. Erträumen, was sein könnte: Das Team fantasiert über einen Idealzustand.
  3. Entwickeln, was sein sollte: Das Team entwickelt eine Vision und entscheidet, wie es sein soll.
  4. Erfüllen, was sein wird: Das Team bespricht, wer was wie wann umsetzen kann.

Zentrales Element in allen Phasen: gezielte Fragen. Die Moderation kann die Kita-Leitung übernehmen. Es kann aber auch hilfreich sein, sich – wenn möglich – eine externe Moderation einzuladen. Sinnvoll ist das beispielsweise bei emotional aufgeladenen Themen oder wenn die Kita-Leitung gleichzeitig anteilig im Team als Fachkraft arbeitet und somit selbst beteiligt ist.

Und noch eine kleine positive Sache, die eine Leitungskraft anstoßen kann: Einander zu sagen, wofür man dankbar ist und was man aneinander schätzt. Das ist motivierend, schafft ein wertschätzendes Teamklima und kann auch in schwierigen Situationen helfen, einen positiven Blick zu behalten. Kudo-Karten sind eine tolle Möglichkeit, dies im Alltag zu tun. Das sind simple Karten, die alle im Team nutzen können, um einander kurz Danke zu sagen oder ein Lob auszusprechen. Die ausgefüllten Karten können in Postfächer gelegt, in einer Runde vorgelesen oder an einer Wand gesammelt werden.

Der Artikel ist erschienen in "Meine Kita", didacta Magazin für frühe Bildung, Ausgabe 02/2022.

Portrait von Katharina Hanraths
Autor/in: Katharina Hanraths

Als Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist es mein Ziel, dass so viele Menschen wie möglich erfahren, was die Stiftung "Haus der kleinen Forscher" macht und anbietet. Nicht einfach nur, weil es mein Job ist, sondern weil ich überzeugt bin, dass gute frühe MINT-Bildung Kindern noch viel mehr bringt als bloßes Wissen über Aggregatzustände und Stromkreise.

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