Vielseitig lernen dank Podcasts

Ein Kind hält sich Gegenstände ans Ohr, um die akustische Wirkung zu testen.
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Podcasts sind ein neuer Weg, um überall zu lernen.

Seit einem knappen Jahr setzt die Stiftung "Haus der kleinen Forscher" auch auf Podcasts, um redaktionelle und pädagogische Inhalte zu entwickeln. Was ist dran am alten Medium mit dem neuen Hype? Und was haben wir in unseren ersten Schritten selbst gelernt?

Ein Teil dessen, was Podcasts mal ausmachte, existiert schon gar nicht mehr. Apples klassisches MP3-Abspielgerät iPod, von dem das "Pod" in "Podcast" kommt, machte schon 2009 einer neuen Generation von kleineren und "smarteren" Geräten Platz. Der andere Teil jedoch, aus dem Wort "broadcast", also: "senden", entlehnt, erfreut sich ungebrochener Beliebtheit. Allein im deutschsprachigen Raum existieren über 6.000 Podcasts, nach aktuellen Zahlen des BITKOM hört ein Viertel der Deutschen regelmäßig zu.

Alles auf Abruf

Audioinhalte über das Internet erleben derzeit einen Boom wie nie zuvor. Große Medienunternehmen wie der Streamingdienst Spotify, der zu Amazon gehörende elektronische Hörbuchladen Audible sowie eigentlich alle großen Zeitungs- und Zeitschriftenverlage in Deutschland sind in den vergangenen Jahren ins Podcast-Geschäft eingestiegen. Und auch öffentlich-rechtliche Radiosender produzieren immer mehr, vor allem aufwändige Reportage-Serien, direkt für den Abrufmarkt. Daneben arbeiten viele freie Produzenten und tausende Hobbypodcaster an Inhalten für ihre Interessensgebiete, manchmal für 30, manchmal für 30.000 Hörerinnen und Hörer.

Das Schöne am Podcast hören ist die Intimität. Da Menschen, die Podcasts hören, dies in der Regel über Kopfhörer tun, haben sie oft das Gefühl, mit den Stimmen in ihren Ohren in direktem Kontakt zu sein, nicht getrennt durch eine Mattscheibe oder ein Radiogerät. Podcasts lassen sich prima nebenher beim Joggen, Pendeln oder Wohnung putzen hören, fordern aber dennoch so viel Aufmerksamkeit, dass sie nie zu einem bloßen Hintergrundrauschen verkommen. Das Schöne am Podcast machen ist, dass der anfängliche Aufwand vergleichsweise gering ist. Mit einer Idee und einem Mikrofon hat man beim Podcasten schon fast alles zusammen, was man braucht – ein Video braucht ungleich mehr Ressourcen.

Die ersten Podcasts

Die Stiftung "Haus der kleinen Forscher" machte ihre ersten ernsthaften Schritte im Podcast-Bereich zum Abschluss des Projekts "Service-Portal Integration". Meine Kollegin Mareike Breuer und ich fassten die wichtigsten Erkenntnisse aus den sechs Themenfeldern, die wir dort über fast drei Jahre erkundet hatten, in zuvor geplanten Gesprächen zusammen. Dazu versetzten wir unsere Gespräche mit Ausschnitten aus Interviews, die wir mit Expertinnen und Experten über die Zeit geführt hatten. Das Ergebnis sind sechs Podcastfolgen, die einen kompakten Überblick über die Themen des Service-Portals geben, in jedem Podcastverzeichnis zu finden sind und allenfalls in der Klangqualität noch ein bisschen zu wünschen übrig lassen.

Kurz darauf setzte die Stiftung auch zum ersten Mal Podcasts als Online-Lerninstrument ein. Die Podcastreihe "Ein Ohr an der Fortbildung" führt Trainerinnen und Trainer der Bildungsinitiative durch herausfordernde Situationen in Fortbildungen, indem Expertinnen aus dem Berliner Büro in zwanglosen Interviews von ihren Erfahrungen berichten. Der Erfolg dieser Reihe bestärkte das Team hinter dem neuen Bildungsangebot "MINT ist überall", auch dort Podcasts als Teil des Lernangebots einzusetzen. Drei Folgen blicken in Gesprächen mit den Macherinnen hinter die Kulissen der Entstehung des Bildungsangebots. Auch die neue Blended-Learning-Fortbildung für Lehrkräfte enthält Audio-Komponenten.

Das Schöne am Podcast hören ist die Intimität.

Worauf es sich zu achten lohnt

Ein paar Erkenntnisse aus unseren ersten Gehversuchen möchten wir schon jetzt mit allen teilen, die vielleicht ebenfalls über einen Ausflug ins Podcastfach nachdenken. Technisch bewegen wir uns nach wie vor auf Einsteigerniveau und nutzen das in der deutschen Podcasterszene empfohlene Headset HMC660 in Kombination mit einem Zoom H6-Aufnahmegerät. (Die Podcasts des Service-Portals hatten wir noch mit Ansteckmikrofonen aufgenommen.) Auch Menschen, die nicht gerne in Mikrofone sprechen, vergessen ihre Hemmungen häufig schnell, wenn das Mikrofon Teil ihres Kopfhörers ist und sie Hände und Kopf frei bewegen können ohne den Klang zu beeinflussen. Wir empfehlen trotzdem, vor jedem Gespräch Testaufnahmen zu machen, um Lautstärke und Raumklang optimal auszusteuern. Es lohnt sich außerdem, für die Aufnahme etwas mehr Zeit mitzubringen, um vielleicht Teile des Gesprächs zu wiederholen oder spontan je nach Gefühl des Gesprächspartners oder der Gesprächspartnerin neu zu konzipieren.

Das Aufnahmegerät erlaubt es, jeden Kanal separat aufzunehmen, was in der Nachbearbeitung von großem Wert ist. Eine der wichtigsten Erfahrungen ist nämlich, dass fast jedes Gespräch im Anschluss gekürzt werden muss, selbst wenn es gut geplant war – was sich bei Gesprächen, die anschließend als Bildungsinhalt fungieren sollen, ohnehin empfiehlt. Die zehn bis 20 Minuten, die von vielen Hörenden als angenehme Podcastlänge empfunden werden, füllen sich bei interessanten Unterhaltungen schnell, lassen sich aber meistens auch noch gut aufs Wesentliche reduzieren. Auch dafür sollte man genug Ressourcen einplanen. Gute Nachbearbeitung braucht Zeit.

In der Entdeckungsphase

Podcasts sind aus dem Online-Angebot der Stiftung "Haus der kleinen Forscher" wahrscheinlich schon jetzt nicht mehr wegzudenken. Trotzdem sind wir noch ganz klar in der Entdeckungsphase dieses für uns neuen Mediums. Für diejenigen, die Lernangebote entwickeln, ist es vor allem ein niedrigschwelliger neuer Zugang für Nutzerinnen und Nutzer, die sich so auch mobil und akustisch mit Inhalten der Stiftung beschäftigen können. In der Entwicklung von neuen Angeboten wollen wir sie zukünftig noch mehr einbinden.

Lernen funktioniert am besten, wenn es abwechslungsreich ist, und Podcasts sind eine willkommene Erweiterung unserer Formatpalette. Für die Zukunft sind aber natürlich auch noch andere Anwendungen denkbar. In ihren Möglichkeiten sind Podcasts zum Glück endlos.

Vielen Dank an Samantha Hodenius und Manja Wolff für ihre Beiträge zu diesem Text.

Portrait von Alexander Matzkeit
Autor/in: Alexander Matzkeit

Ich bin in der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ Referent für Digitale Kommunikation. Privat schreibe ich über Film, Medien und Zukunft in meinem Blog „Real Virtuality“ und auf Twitter (siehe Links).

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